Der Tag, an dem ich dich traf

Es gibt Momente im Leben, die verändern. Manche verändern einfach alles und heben die eigene, kleine, schön geglaubte Welt komplett aus den Angeln. Seit diesem Moment ist nichts mehr wie es scheint und doch braucht man persönlich wieder einmal wesentlich länger als das eigene Umfeld aus besten Freunden, um diese Veränderung zu realisieren. Und vor allem zu akzeptieren.

Es war der Augenblick, bei dem man nichts ahnend auf einer viel zu öden und schnöden Party – wohlgemerkt und im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern nüchtern – auf der verzweifelten Suche nach dem perfekten und unverfänglichen Fluchtweg war. Unverfänglich. Das genaue Gegenteil von dir. Und doch blieb die Welt für einen kurzen Augenblick stehen. Vielleicht ist es auch nicht verwunderlich. Verletzlich wirkst du. Unter der harten Schale von zahlreichen Masken, die mal laut, mal schrill, mal überdreht rotieren. Immer im Mittelpunkt, dem Spot der Augenpaare stets ausgesetzt, immer ein Lachen auf den Lippen.

Fühlst du dich mal unbeobachtet, nur für dich alleine, blitzt sie auf – die Angst, verletzt zu werden, allein gelassen zu werden. Unbemerkt von Wolke 7 zu purzeln und knallhart auf den unromantischen, kalten Boden der Realität zu landen. Kritisch und gedankenverloren musterst du mich. Mit dem völligen Unbewusstsein, meinen Herzschlag wieder einmal zum Aussetzen zu bringen. Insgeheim stelle ich mir immer wieder dieselbe Frage. Die Frage, welcher Idiot dir solche Schmerzen zugefügt hat. Der dich deinen Gewinn und dein Leben nicht genießen lässt.
In deiner Gegenwart vergisst man spielend seinen eigenen Kummer, nimmt das plötzlich aufgekommene Chaos nicht mehr wahr.

Bedürfnis. Deine unbekümmerte direkte und aufrichtige Art und Weise sind erfrischend. Wie eine selbstgemachte Limetten-Minz-Limonade an einem Hochsommertag. Nur jetzt halt mitten im Winter. Dauergänsehaut und kalte Füße sollen ja ganz praktisch bei Schneefall sein. Glücklich machen, dich auffangen, bevor du fallen solltest. Dein sicherer Hafen sein, wenn du dich wieder auf dem großen Meer von Emotionen, falschen Eindrücken und Vorsichtigkeiten verlieren solltest.

Du brauchst Zeit, murmelst du leise. Gut, dass ich dank dir zum geduldigsten Menschen werden kann, denke ich mir und muss lächeln. Wie so oft. Dank dir.

Sam ist eigentlich Ur-Kölnerin, hin und wieder Weltenbummlerin, die bisher auf jedem Kontinent der Erde war und derzeit zwischen den Bergen in Innsbruck lebt. Studiert hat sie auch, leider das falsche. Tanzen geht immer und ohne Musik und ihre Hunde verlässt sie selten das Haus. Ach und für ein geniales Essen würde sie (fast) alles tun. Mehr von Sam gibt es auf ihrem Blog.

Headerfoto: Felipe Alonso (Gedankenspiel imprint added) via Creative Commons Lizenz!

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3 Comments

  • Ein echt genialer Text. Dieses Gefühl kenne ich auch. Aber eben nur von der einen Seite. Die Seite des Autors. Zu schade manchmal, dass ich die Gedanken von den anderen und deren Gefühle nicht lesen kann.

    LG

    • Liebe Tanja, vielen Dank. Es freut mich, dich mit meinen Gedanken berührt zu haben. Ich bin mir sicher, mit der Zeit wird es leichter, die Person gegenüber besser lesen zu können. Ist sicher so wie Faust in der Schule…man versteht es nicht (immer), aber lesen klappt. Vielleicht folgt in kürze ja ein Gedankenspiel aus der anderen Perspektive.
      Liebe Grüße Sam

  • Wow, was für ein emotionaler, spannender Text. Ich bin für einen Moment total drin versunken… Ich kann mich auch an diese Momente errinern können…aber das Leben geht weiter, und für diejenigen, die noch auf der Suche sind möchte ich einen Artikel Online-Dating in Deutschland empfehlen
    Liebe Sam, ich wünsche dir weiter so gute Texte zu schreiben! VG,

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