DENN WIR WISSEN NICHT, WAS WIR TUN

ÜBER DIE KOMPLEXITÄT VON WIRKLICHKEITEN

Generation Beziehungsunfähig titelte Michael Nast hier auf im gegenteil plakativ und erzählte darunter selbstreflektiert vom Abendspaziergang durch das Einfamilienhausgebiet seiner Kindheit, bei dem ihm bewusst wurde, dass sein bisheriges Leben so ganz anders verlaufen war als das seiner Eltern. Bei dem ihm bewusst wurde, dass er vor lauter Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung, vor lauter Begriffsverschiebung des Arbeitsverständnisses seiner Zeit, und vor lauter egozentrischer Selbstauffassung der Kinder seiner Generation, etwas ganz Besonderes zu sein, das eigene Ich und dessen innere Ein- und Ausdrücke zum alleinigen, einzigen Lebensprojekt erklärt hatte. Zum wesentlichen, substantiellen Lebensprojekt, über das Nast und seine Generation schnell oftmals vergessen, worum es in Beziehungen eigentlich wirklich geht (sprich: die gemeinsame Entwicklung von Persönlichkeit), und dass jene zentralisierte Beschränkung des Lebens auf das Selbst dazu führt, dass „wer so denkt, eben auch alles andere verpasst“.  So weit Nasts Gedanken eben, und so weit, so gut.

Auch ich bin eines dieser Kinder, die etwas ganz Besonderes waren. Auch ich bin eines dieser Kinder, die sich im Beruf selbstverwirklichen, die eben nicht nur einen Beruf, sondern eine Berufung wollen, und deren Bildungswege sich verlängert haben. Auch ich bin Kind dieser Welt, in der sich das Arbeitsverständnis verschoben hat, zumindest jedoch langsam verschiebt, hin zu mehr Selbsterfüllung und mehr Anspruch auf Arbeit mit nachhaltigem Sinn. In der es insgesamt immer irgendwie besser geht, das Leben und das Selbst stets noch besser optimiert werden können, werden sollen. Dieser Artikel wird daher keine persönliche Antwort auf den Artikel von Nast sein. Eine ganz andere Perspektive kann ich schließlich gar nicht einbringen. Ich möchte mich im Folgenden vielmehr allgemein mit der Frage beschäftigen, ob die Selbsterkenntnis von Nast und seiner Generation tatsächlich seine, unsere gesamte Generation betrifft und ob unsere Wirklichkeit tatsächlich die eine, gleiche Welt ist, in der wir alle leben.

„Jack, Jack, ich fliege!“, rief Rose am Bug der Titanic verzückt aus, und die Welt fieberte mit in ihrem Kampf um Liebe und Freiheit, gefangen im amerikanischen Geldadel und sich in Ketten nach Amerika in eine Ehe gezwungen wissend, die sie selbst nicht wollte. „Das war damals halt so“, hatte sich das Kinopublikum wohl gedacht, und umso mehr mitgefiebert während des Untergangs des als unsinkbar deklarierten Schiffes. Das war damals so – Roses snobistischer Verlobter Cal war ganz selbstverständlich der männliche Erbe des Stahlimperiums seines Vaters. Wenn Cal stattdessen hätte Arzt werden wollen, in der Welt von 1912 fast undenkbar. Wäre Cals Vater Zimmermann gewesen, wäre er vermutlich Zimmermann geworden. Hätte Cals Familie einen Bauernhof besessen, Cal hätte ihn übernommen und weitergeführt. Und wären Jacks Eltern nicht früh verstorben, so wäre er nicht zum Vagabunden geworden, niemals nach Europa gereist. Das alles hat man einfach nicht gemacht. Insofern hatte also nicht nur Rose, sondern hatten ebenfalls Cal und Jack absolut keine Wahl. Das war damals so. Das war ganz normal. Individuell und „man selbst“? Das wollte damals kaum jemand sein.

Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung sind postmoderne Phänomene. Roses Liebe zum mittellosen Jack wäre heutzutage gar kein Thema, wenngleich die Beziehung ihrer Mutter wahrscheinlich trotzdem noch missfallen würde. Cal könnte heute Arzt werden, obwohl sein Vater das vermutlich immer noch nicht besonders toll fände. „Liebe kennt keine Statusgrenzen“ und „Jede*r sollte sich für den Beruf entscheiden, der ihm/ihr Spaß macht“ sind derzeit Sätze, denen jede*r zustimmen muss. Wie kommt es also, dass wir 2015 so ganz anders denken als 1912, und was bedeutet das für die „Generation Beziehungsunfähig“?

Zugegeben, Rose, Cal und Jack befanden sich in einer Zeit gesellschaftlichen Umbruchs. Die Suffragetten protestierten für das Frauenwahlrecht, elektrisches Licht und sanitäre Anlagen hielten flächendeckend Einzug in die Wohnräume der Menschen, Funktelegraphie in der Schifffahrt machte es erst seit wenigen Jahren möglich, dass die Titanic nach der Kollision mit dem Eisberg überhaupt um Hilfe rufen konnte und alleine die eigenen Badezimmer der Parlour Suiten von Roses Familie auf dem Luxusdampfer waren eine neue, besonders exquisite Sensation. Die Gesellschaft hatte durch Sigmund Freud das Leiden des Individuums entdeckt, Max Weber die Entzauberung der Welt, das heißt die zunehmende Intellektualisierung und Rationalisierung unseres Handelns. All dem voraus gingen die Erfindung der Dampfkraft und die erste industrielle Revolution im 18. Jahrhundert. Eisenbahnen und Schiffe hatten die anfänglich kleine Welt ein bisschen größer gemacht. Die Güterproduktion, die Arten von Arbeit und unser Verständnis vom Leben eines Menschen haben sich von da an entschieden gewandelt.

Besonders verständlich wird dieser Prozess in der Textilindustrie. Weber*innen und Näher*innen waren zuvor selbiges meist nicht hauptberuflich, sondern arbeiteten ganzjährlich in der Landwirtschaft. In den Wintermonaten dann, wenn auf dem Feld nichts wuchs und draußen nichts zu tun war, nichts getan werden konnte, wurde in der Stube im Bauernhaus Garn gesponnen, Stoff gewebt, Kleidung für die Manufakturen genäht. Mit der Zentralisierung der mechanisierten Produktion in die Fabriken fiel diese Einnahmequelle weg. Mit der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft gab es außerdem weniger Arbeit auf dem Hof. Und so zogen die Söhne und Töchter in die Städte, um in den Fabriken zu arbeiten. Das ist bekanntlich bekannt. Was daraus aber resultierte, ist weniger flächendeckend in unserem heutigen Bewusstsein verankert: Beziehungen zur Herkunftsfamilie auf dem Land rissen ab, die Kleinfamilie mit ihren exklusiven Beziehungen bildete sich erstmals als exklusive Kleinfamilie überhaupt heraus. Zuvor brauchte es ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Plötzlich war die Bindung zwischen Eltern und Kindern etwas Zentrales, etwas Besonderes. Zuvor war das Kind hauptsächlich Altersvorsorge, was auch mitunter der hohen Kindersterblichkeit und fehlender staatlicher Absicherung geschuldet war. Plötzlich war es Familienerfüllung und Elternglück. Durch das Elend der Arbeiter in den Städten und die Gewerkschaftskämpfe entstanden zudem etwa zeitgleich Sozialversicherungen, Arbeitsrecht, Krankenversicherungen und Rente. Die Schulpflicht wurde eingeführt, die Bildung des einzelnen Arbeiters immer wichtiger. 1914 schließlich entwickelte Henry Ford die mechanische Fließbandproduktion, aufbauend auf der kleinstteiligen Arbeitsteilung Winslow Taylors. Der erste Weltkrieg brach aus. Danach die Weimarer Republik, 1929 die große Depression, 1939 der zweite Weltkrieg. Passagierflüge waren möglich. Und mit dem deutschen Wirtschaftswunder der 1960er Jahre lösten elektronische Systeme in der Produktion zunehmend elektrische, mechanische und elektromechanische Systeme ab.  Man proklamierte gar fast schon das Ende der Arbeit (Hannah Arendt), im Angesicht von immer menschenleereren Fabriken. Der einzelne Arbeiter war nun nicht mehr ein Arbeiter mit grundlegender Bildung, er war technischer Spezialist. Und war noch im 15. Jahrhundert ein kirchliches Spital dafür zuständig, Arme und Kranke zentral zu pflegen, so gibt es heute Krankenhäuser speziell für Kranke mit für bestimmte Krankheiten und Tätigkeiten in der Medizin spezialisierten Bereichen, die selbst wiederum in spezialisierte Abteilungen untergliedert sind.

Ganz neue Berufe entstanden, für die zuvor überhaupt keine Notwendigkeit gegeben war. Frauen eroberten die Arbeitswelt, in Deutschland mitunter durch ihre fehlenden, im Krieg gefallenen Männer. Mit der industriellen Revolution entwickelte sich zudem ein bis heute wachsender Dienstleistungssektor, durch bildungspolitische Investitionen und Massenproduktion größerer Wohlstand, das heißt soziale Mobilität. Eine breite, gut-bürgerliche akademische Mittelschicht bildete sich heraus, insbesondere in den Städten. Das heißt aber nicht, dass die Landwirtschaft oder der einfache Arbeiter verschwanden. Vielmehr verhalfen bestimmte Berufe und die Massenproduktion auch dem einfachen Arbeiter oder dem Bauern zu vergleichbar gut-bürgerlichem Wohlstand. Mit dem Durchbruch des Internets schließlich in den 1990er Jahren erhielt die Globalisierung der Wirtschaft einen weiteren, großen Schub. Auch die einzelnen Individuen rückten näher zusammen. Es entstanden erstmals Gedanken einer „Weltgesellschaft“ mit „Erdenbürgern“ – Gedanken, die dem alten Nationalverständnis entgegenstehen und in der Welt von 1912 absolut keine Bedeutung, keinen Anschluss gefunden hätten.

Die Gesellschaft hat sich insgesamt betrachtet über Prozesse der Differenzierung ihrer Institutionen und Organisationen, der Domestizierung der Natur durch technologischen Fortschritt, der damit einhergehenden Individualisierung der Lebensverhältnisse und der Rationalisierung des Denkens und Handelns modernisiert. Wir sind heute nicht mehr verpflichtet, Bauer oder Bäuerin zu werden, wenn unsere Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb unterhalten. Wir sind nicht dazu gezwungen, Bankangestellte zu werden, nur weil unser Großvater Bankdirektor war. Wir müssen nicht heterosexuell sein, um zumindest irgendwo Anerkennung zu finden. Und wenn im eigenen Dunstkreis der Dorfgemeinschaft niemand etwa homosexuell ist, so finden wir Gleichgesinnte im Internet. Wir haben Bastelbiographien. Und dadurch haben wir die Pflicht, uns die Verantwortung über das eigene Leben selbst zuzuschreiben, ganz unabhängig davon, ob wir anders hätten entscheiden können oder nicht. Grundsätzlich ist der Arbeitslose nämlich heutzutage erst einmal selbst schuld. Er hätte ja nicht Philosophie studieren müssen. Und grundsätzlich hätte die Frisörin auf ein Gymnasium gehen, Abitur machen und Philosophie studieren können. Sie hätte ja nicht Frisörin werden müssen. Anders als Cal, Jack und Rose hat sie schließlich die Wahl. Dass wir die Wahl aber nicht nur haben, sondern auch aktiv treffen, ist zudem im gesellschaftlichen Bewusstsein erwartbar, es ist zur Normalität, ebenfalls zu einer Wahlpflicht geworden. Die Entscheidung für eine Art zu leben unter vielen verschiedenen Arten ist heute, angesichts der pluralisierten Lebensverhältnisse, definitiv notwendig. Im Jahre 1912 war sie das noch nicht. Sie war zum Großteil gar nicht möglich, weil es keinerlei staatliche und nur wenig private Unterstützung gab, wenn finanzielle Mittel fehlten.

Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt haben sich Arbeit und Beruf entgrenzt, wie auch Nast in seinem Artikel treffend beschreibt. Arbeitsprozesse wurden formalisiert – einzelne Arbeitsschritte, insbesondere im Dienstleistungssektor, sind heutzutage viel stärker festgelegt als noch vor fünfzig Jahren. Durch die Rationalisierung und Digitalisierung des Lebens an sich ist die Vermessung der Welt schließlich graduell zu einer Vermessung des Körpers übergegangen. Wir wiegen uns regelmäßig, wir zählen unsere Schritte beim Joggen. Das Neugeborene wird gemessen, sein Blut untersucht. Wir gehen zur Krebsvorsorge. Wir optimieren unsere Ernährung. Mit dem Smartphone geht vieles davon inzwischen sogar ganz nebenbei. Statistische Untersuchungen, auf die wir jederzeit und überall online zugreifen können, sagen uns, was normal, was gut und was schlecht ist. Und wir passen unseren Körper, unsere Leben daran an, richten sie zumindest danach aus.

Was aber ist noch normal in einer Welt der Bastelbiographien, in der jede*r alles machen kann? Was ist noch normal in einer Welt, in der jede*r jederzeit und überall online auf tausende Erfahrungsberichte mit abertausenden Umständen zugreifen kann? Kann denn überhaupt wirklich jede*r alles machen, wie es uns die Notwendigkeit der Entscheidung für eine Art zu leben verspricht?  „Normal ist relativ“ und „Lieber man selbst sein als normal“ – auch das sind Sätze, denen derzeit jede*r zustimmen würde. Ist also gar nichts mehr normal? Und wer ist überhaupt „man selbst“?

Michael Nast zumindest hält es für normal, dass seine, unsere Generation sich im Beruf selbst verwirklicht und das eigene Leben optimiert. Dass es normal ist, damit individuell und „man selbst“ sein zu wollen. Die breite Zustimmung der Kommentatoren zu seinem Artikel bestätigt seine Ansicht. „Man selbst“ ist dann wohl laut Nast irgendwie das Produkt oder die Summe seiner aus der Notwendigkeit heraus getroffenen Entscheidungen. Woher aber wissen wir denn, welche Entscheidungen wir wie und wann und wo treffen können? Geht es allen Menschen unserer Generation so wie Michael Nast?

Ganz offensichtlich ist dabei zumindest, dass trotzdem nicht alle dieselben Chancen haben. Chancengleichheit nennen wir das und wir fordern Bildungsreformen und mehr Durchlässigkeit unseres deutschen, dreigliedrigen Schulsystems. Wir fordern einen Ausbau der Kinderbetreuung, so dass insbesondere Frauen sich nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen. Wir fordern mehr Flexibilität von Arbeitgebern, weil wir uns nicht zwischen Beziehung, Familie und Karriere entscheiden wollen. Wir fordern all das, weil es nicht so ist, wie wir es gerne hätten. Und weil es vielleicht zu all der Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung doch nicht reicht, sich zu entscheiden. Weil wir uns manchmal vielleicht gar nicht entscheiden können. Weil ganz offensichtlich nicht alle dieselben Möglichkeiten inmitten unendlich vieler Möglichkeiten haben.

Wenn Michael Nast morgens die Bahn nimmt, dann muss diese Bahn zuvor, zumindest irgendwann, von irgendjemandem gereinigt worden sein. Eine Reinigungskraft ist mit ihrer Reinigungsausrüstung durch das Zugabteil gegangen, in dem Michael Nast dann Stunden später sitzt, und hat den Dreck weggeputzt, den Michael Nast am Abend zuvor mit seinem Brötchen hinterlassen hat. Verwirklicht sich die Reinigungskraft selbst? Versteht sie ihren Beruf als Berufung? War ihr Studium erst mit Ende 20 abgeschlossen? Wohnt sie jetzt noch in einer WG, weil das ja ganz nett und passend ist? Nun – all das ist nicht undenkbar. Denkbar ist aber auch, dass die Reinigungskraft als Reinigungskraft einfach bloß einen Job hat. Denkbar ist ebenfalls, dass sie nicht in einer WG wohnt, weil das so nett und passend ist, sondern vielleicht Familie in einem Einfamilienhaus hat (mit Anfang 30!), vielleicht sogar ein Auto besitzt, dass sie vielleicht niemals studierte, sondern „nur“ einen Realschulabschluss und eben die Ausbildung zum/zur Gebäudereiniger*in absolviert hat. Denkbar ist zudem, dass sie nicht auf dem Weg zur Arbeit auf ihrem neuen MacBook Air Emails beantwortet, während sie lässig am grünen Smoothie schlürft, den sie sich mitten in der Nacht um 3 noch kurz zuvor gemixt hat. Wobei natürlich auch letzteres nicht undenkbar ist.

Die Reinigungsfachkraft bei der Bahn, die Sekretärin eines mittelständischen Unternehmens, die Kassiererin im Lebensmittelgeschäft nebenan, der Bankangestellte am Schalter, der Bäckereifachangestellte, die Pflegefachkraft, der Erzieher, die Frauen und Männer von der Müllabfuhr, der Maurer, der Gas- und Wasserinstallateur, die Mechatronikerin – sie machen wichtige, nützliche, sinnvolle, wertvolle Arbeit. Aber verwirklichen sie sich alle selbst? Ist ihr Beruf ihre Berufung im Sinne Nasts, das ganze Leben um das Selbst und den damit verbundenen Job herum konsumierend? Das ist natürlich denkbar. Nicht undenkbar ist aber auch, dass sie einfach nur ihre Jobs machen. Diese machen sie gegebenenfalls mit viel Spaß und Freude an der Arbeit. Aber Selbstverwirklichung durch Berufung und den damit verbundenen Wunsch zur Selbstoptimierung durch Karriere verspüren wohl nicht alle von ihnen, zumindest nicht zwingend in Form einer zentralen, substanziellen Lebensaufgabe, die das eigene besondere Selbst derart in den Mittelpunkt stellt, dass sie vergessen, worum es in Beziehungen eigentlich wirklich geht.

Inmitten der Möglichkeiten unseres gut-bürgerlichen akademischen Mittelschichts-Daseins der Postmoderne vergessen wir oftmals, dass es neben all den hippen Kreativjobs in puristischen, offenen Büroräumen mit MacBooks und grünen Smoothies andere wichtige, wertvolle und wunderbare Berufe gibt, die nicht als hipp gelten und nicht in puristischen, offenen Büroräumen mit MacBooks und grünen Smoothies stattfinden. Dass es Menschen gibt, die sich nicht entscheiden konnten, oder aber vielleicht anders entscheiden wollten, weil ihnen die gut-bürgerliche akademische Mittelschicht der Kreativjobs fremd oder wenn bekannt, unsympathisch ist. Dass es Menschen gibt, die ganz andere Auffassungen vom Leben haben und denen es etwa wichtiger ist, ein Konto bei der Sparkasse, ein Haus, einen Hund und zwei Kinder zu haben, anstatt karrieretechnisch weiter am eigenen Selbst zu feilen. Weil sie gegebenenfalls keine Eltern haben, die Ärzte, Lehrer oder Juristen sind. Weil sie als Juristenkinder Gärtner*innen werden wollten. Weil sie aus Verhältnissen kommen, in denen nicht Dostojewski gelesen wird und weil ihnen nie jemand gezeigt hat, wie schön es sein kann, Dostojewski zu lesen. Weil der Dostojewski im Regal ihrer Eltern sie stets einfach nur angekotzt hat. Weil sie vielleicht deshalb gar kein Interesse daran haben, die Schönheit Dostojewskis zu entdecken. Es muss ja auch nicht jede*r Dostojewski lesen wollen. Er oder sie kann sein Leben trotzdem toll, großartig und wunderbar finden. Er kann ebenso unglücklich, traurig und verzweifelt sein. Oder aber einfach durchschnittlich zufrieden. Inmitten von pluralisierten Lebensverhältnissen ist das denkbar. Und noch denkbarer ist, dass all diese Menschen ohne ein das Leben konsumierendes, beruflich berufenes Selbst auch zu meiner, zu Nasts, zu unserer Generation zählen.

„Jemand, der Dostojewski liest, ist kein besserer Mensch.“ Das ist ebenfalls ein postmoderner Satz, dem jede*r irgendwie zustimmen muss. Daneben ist aber bedeutsam, dass jemand, der Dostojewski liest und kreativ tätig ist, nicht „der Mensch“ ist, der von „der Generation“ sprechen kann, die „seine Generation“ ist, die irgendwelche bestimmten Vorstellungen vom Leben hat, die er als „der Mensch“ natürlich teilt und die sich „so und so“ gestalten. Es gibt keine „Generation Beziehungsunfähig“, keine „Generation Y“. Die postmoderne Welt ist eine Welt voller Bastelbiographien pluralisierter Lebensläufe unterschiedlichster Generationen ganz unterschiedlicher sozialer Milieus. Wir gut-bürgerlichen akademischen Mittelschichtler in Kreativjobs in Marketing, Design, Personalpolitik, Unternehmensberatung, Immobilienbranche, Journalismus, Wissenschaft, Social Media, wir verstehen uns gerne als „gebildet“, als „aufgeklärt“ (in Abgrenzung zu „ungebildet“ und „unaufgeklärt“ – welch bitterer Beigeschmack der alten Zeit!). Dabei verwechseln wir die Differenziertheit der Welt, die für uns gefühlt grenzenlos in unserer Besonderheit zur Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung offen steht, zu häufig mit einer Wirklichkeit, die für alle gleichermaßen besteht und gilt. Wir sprechen dann mit all unserer Bildung von Geschlechterkonstrukten und empörten uns kürzlich im medialen Diskurs über das Gebot, dass eine Mutter nicht bereuen darf, Kinder bekommen zu haben. Gleichzeitig jedoch veröffentlichen wir Artikel darüber, wie man an heißen Tagen im Büro – und nur im Büro – überlebt. „Wo sind eigentlich die Artikel über Leute, die in der Hitze nicht im Büro arbeiten?“, hatte jemand einen solchen Link einer deutschen Tageszeitung auf Facebook kommentiert. Zu Recht. Denn wir vergessen, dass Wirklichkeit an sich sozial konstruiert und beim Einzelnen von individuellen sozialen Verhältnissen abhängig ist. Und dass in einer funktional so differenzierten Gesellschaft wie der unseren nicht alle Menschen auf alle Bereiche dieser konstruierten Wirklichkeit zugreifen können und wollen – ja, dass sie vielleicht sogar ganz andere Konstrukte haben innerhalb derselben Welt als wir selbst. Um das zu begreifen, müssen wir nicht in alte Zeiten oder in uns fremde Kulturen blicken. Wir finden gar unsere eigene Kultur, unser eigenes Denken in unserer Zeit als pluralisiert vor – als verschiedenartige Wirklichkeiten in ein und derselben Welt, in der verschiedenartige Menschen in verschiedenen sozialen Milieus verschiedenartig sozialisiert werden und dementsprechend andere Vorstellungen vom Leben und ihrer Generation entwickelt haben als Michal Nast. Diese Menschen sind da draußen. Sie sind zahlreich. Gleichzeitig, ungleichzeitig, die Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeit des Verschiedenen, alles hier, jetzt, zu jeder Zeit.

Denn wir wissen nicht, was wir tun, wenn wir uns in den sozialen Kontexten bewegen, in denen wir leben, die wir als Realität bezeichnen, in der alle Menschen leben, obwohl das gar nicht stimmt, und aus der wir mit all unserer Bildung trotzdem in unserem Denken nicht ausbrechen können. Denn wir wissen nicht, was wir tun, weil wir ganz genau wissen, was wir tun, wenn wir dann davon sprechen, wie unsere Generation denn so ist. Dies ist bei der „Generation Beziehungsunfähig“ meiner Auffassung nach Nasts Problem. Vielleicht sollten wir deshalb häufiger all das hinterfragen, was wir wissen und uns vor allem darüber Gedanken machen, warum wir wissen, was wir wissen. Nasts Artikel gibt zu ersterem zumindest einen wunderbaren Denkanstoß – einen Denkanstoß aber bloß für diese „seine Generation“, die seinem gut-bürgerlichen akademischen sozialen Milieu der Kreativjobs entstammt und deren Wissen er teilt. Das Wissen unserer ganzen Generation im Gesamten teilt Nast nicht. Der Mythos der Wirklichkeit ein und derselben Generation in ein und derselben Welt zerfällt angesichts der Abhängigkeit der Entwicklungsverhältnisse unserer Gesellschaft, in der Selbstoptimierung und Selbstverwirklichung, die Möglichkeit zu solchen Kreativberufen als Berufung überhaupt entstanden, und deren Entstehungsbedingungen ganz und gar nicht verschwunden sind.

Um abschließend noch mit einem weiteren Mythos aufzuräumen: Die Titanic wurde gar nicht grundsätzlich als unsinkbar bezeichnet. Sie und ihre Schwesternschiffe waren lediglich die ersten Schiffe, die mit einem Sicherheitssystem ausgestatten waren, wodurch auf Knopfdruck die ansonsten offenen 16 Abteilungen der 15 Schotten im Rumpf geschlossen werden konnten. Dadurch, so nahm man an, könnte das Volllaufen des Schiffes bei Beschädigung vermieden werden. Ein Fachmagazin für Schiffstechnik bezeichnete das Schiff deshalb 1911 als „so gut wie unsinkbar“. Diese Fachdiskussion erreichte den medialen öffentlichen Diskurs vor dem Untergang allerdings nicht. Zur Zeit der Jungfernfahrt wussten nur die größten Nerds der damaligen Zeit von der Unsinkbarkeit der Titanic. Die Wirklichkeit der Unsinkbarkeit hatte schlichtweg nicht alle erreicht.

Emma studiert Philosophie und Soziologie in München. Sie ist ein sogenanntes Arbeiterkind, wandelt zwischen der akademischen und ihrer alten Welt, hat zwei Katzen und schreibt gerade an ihrer Abschlussarbeit in Philosophie, nachdem sie die Abschlussarbeit in Soziologie vor wenigen Wochen erfolgreich abgeben konnte. Sie arbeitet überdies gerade an ihrem ersten Roman, in dem es mitunter um das Thema des obigen Artikels geht. Neben ihrem Studium verdient Emma Geld in einem puristischen, offenen Büro und trinkt regelmäßig grüne Smoothies. Sie hat im Übrigen nie Dostojewski gelesen; jedoch dafür Albert Camus, der seinerseits über Dostojewski schreibt. Das ist doch dann auch schon mal was, oder?

Headerfoto: Susannah van der Zaag via Creative Commons Lizenz!

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8 Comments

  • Esra sagt:

    Hey Emma!
    „Vielleicht sollten wir deshalb häufiger all das hinterfragen, was wir wissen und uns vor allem darüber Gedanken machen, warum wir wissen, was wir wissen.“ Diesen Satz finde ich sehr sehr sehr gut! Ich empfinde ihn eigentlich als den Schlüssel zum ganzen Artikel.
    Sehr interessant, dieser grobe Überblick über unsere (verschiedene) Leben…
    Apropos, Dostojewski ist soooo toll, kann ich nur empfehlen 😀
    Ansonsten: vielleicht haben wir uns sogar schon mal gesehen? Gehst du manchmal in die Analogie? 🙂
    lg
    Esra

    http://nachgesternistvormorgen.de/

  • frankberlin sagt:

    Ich glaube nicht, dass jede Friseurin Abitur machen und Philosophie studieren könnte…

  • max sagt:

    BlaBlaBla…

    alles Probleme einer saturierten post-materiellen deutschen Inselgesellschaft.

  • k sagt:

    Endlich mal ein Text bei euch, den man zumindest in Ansätzen als fundierten Journalismus bezeichnen kann und in dem die darin beschriebenen Erfahrungen nicht sämtlich auf das Ego des Autors zurückzuführen sind.
    Zu „unserer“ Generation wäre auch noch zu sagen, dass einige ihre Kindheit im relativen Wohlstand der Bundesrepublikanischen 80er verbracht haben. Kinder standen da anders als heute nicht im Vordergrund, es gab keine Helikoptereltern, man lief im Leben der Eltern so nebenbei mit, bekam einzig vorgelebt und gesagt, dass man, egal welchen Beruf man ergreifen würde, so lange man sehr gut darin sei, schon Erfolg haben würde. Arbeit lohnte sich damals. Das böse Erwachen kommt dann heute, wenn man top ausgebildet, prekär beschäftigt, seit Jahren von befristetem Vertrag zu befristetem Vertrag hechelt und dabei auch noch ständig zu sagen bekommt, wie toll ein „flexibles Leben“ ist. Für den grünen Smootie fehlt dann leider das Geld, von der eigenen Wohnung (statt WG Zimmer) oder dem eigenen Auto ganz zu schweigen.

    • Emma sagt:

      Hallo K,

      danke für deine Kritik.

      In den Punkten, die du ergänzend erwähnt hast: Das ändert meiner Meinung nach gar nichts an der Aussage des Artikels. Letztlich hat sich die Gesellschaft im Laufe der industriellen Revolution über Prozesse der Differenzierung, Domestizierung, Rationalisierung und Individualisierung dahin gewandelt, wie sie heute ist. Natürlich gibt es noch andere Faktoren, die an der Entwicklung beteiligt waren (ich habe z.B. den kalten Krieg oder die Konolialzeit gar nicht erwähnt). Und selbstverständlich hört die Entwicklung der Gesellschaft nicht einfach auf, bzw. ist jetzt nicht an irgendeinem komischen Maxium oder Gipfel angelangt. Sie schreitet immerzu fort. Die Veränderung der Arbeitsverhältnisse, die du beschreibst, und auch unser verändertes Verständnis von Pädagogik zählen da sicherlich mit dazu.

      Da muss man aber meiner Ansicht nach auch noch einmal unterscheiden: Für die Veränderung der Arbeitsverhältnisse muss man sich explizit die Geschichte des Arbeitsverständnis des Menschen und die der Wirtschaft als solches ansehen. Für die Veränderung unseres Verständnisses von Pädagogik müssten wir insbesondere die Wissenschaftsgeschichte der Pädagogik und Psychologie als wissenschaftliche Diszplinen betrachten, die sich immer auch auf Didaktik und Umgang mit den Kindern in Schulen auswirken. Bei letzterem etwa kann man z.B. sagen, dass die Psychoanalyse insbesondere in der Nachkriegszeigt bis in die 1960er Jahre hinein in der Psychologie gehypt wurde (insbesondere auch über diese ganze Autoritätsforschung – das Milgram-Experiment und all so Zeugs). Mit den 1968ern und der Autorität des nationalsozialistischen Staates entstand zeitgleich in Deutschland eine Gegenbewegung zur autoritären Erziehung, mit dem Durchbruch des Konstruktivismus eine neue, schüler-orientierte Didaktik, woraus sich letztlich auch mitunter der Strukturplan für eine Grundschulreform 1970 ableiten lässt. Unser heutiges „konstruktives“ Verständnis einer demokratischen Erziehung ist ein Produkt seiner Geschichte. Die Helikopter-Eltern schließlich leiden vielleicht einfach an den plötzlich ständig verfügbaren Informationen zu Gewaltverbrechen und an der unbarmherzigen Komplexität der Welt, die nicht mehr in einfachen Ursache- und Wirkungszusammenhängen erfassbar ist, bei der die Königssemantiken der Dialektik von Herrschaft und Knechtschaft von Hegel schlichtweg nicht mehr passen.

      Das alles ist aber gar nicht so dolle relevant. Letztlich passieren diese Veränderungen in dieser Welt, die sich durch die beschriebenen Modernisierungsprozesse wandelt. Individualisierung heißt am Ende einfach – das Kernthema des Artikels – dass der Mensch durch die im Artikel exponierte Geschichte der industriellen Revolution aufgehört hat, sich als Mensch in seiner Identität als Teil eines Kollektivs zu definieren. Durch seinen Rückzug aus Großfamilie und Dorfgemeinschaft, durch sein neues Verständnis einer romantischen Liebe (das übrigens ebenfalls nicht im Artikel erwähnt wird – Liebe als romantische Liebe ist in unserem Verständnis gar nicht so alt), durch eine insgesamte Steigerung des Bildungsniveaus aller Menschen, durch die bloße Möglichkeit sozialer Mobilität und überhaupt die vielen verschiedenen Möglichkeiten führten letztlich zu den beschriebenen Bastelbiographien. Bastelbiographie und „viele Möglichkeiten“ heißt nicht, dass wirklich jeder uneingeschränkt basteln kann und alle Möglichkeiten hat. Darauf weist auch der Artikel definitiv hin. Die Bastelbiographie verschwindet aber nicht mit einem veränderten Verständnis von Erziehung und mit einer Veränderung der Arbeitsverhältnisse. Wir rechnen uns die Verantwortung für unser Leben und dessen Verlauf immer noch selbst zu, auch wenn wir Helikopter-Eltern haben oder sind, auch wenn wir nur befristete Anstellungsverhältnisse erreichen. Die Selbstzuschreibung von Verantwortung und Entscheidung hört damit nicht auf. Und die Blindheit für viele andere Wirklichkeiten neben der eigenen auch nicht.

      Ich weiß nicht, ob ich selbst meinen Artikel als fundierten Journalismus bezeichnen würde. Offen gestanden: nein, eher nicht. Er fundiert hauptsächlich auf einem bunten Mischmasch aus soziologischen Theorien, die teilweise sogar in ihrer im Artikel dargebotenen Kombination unvereinbar sind (Individualisierung von Beck, das Handlungsschema der Modernisierung von van der Loo und van Reijen, die Produktion von Alltagswissen und Sozialisation von Berger und Luckmann, die funktionale Differenzierung der Welt von Niklas Luhmann, ein bisschen auch Soziologie der sozialen Ungleichheit, wobei da ja der überholte Begriff der „Schicht“ und der fragwürdige Begriff des „sozialen Milieus“ vermischt werden). Ich wollte keinen fundierten, soziologischen Artikel über Herkunft, Möglichkeiten und Wirklichkeit schreiben. Hätte ich das gewollt, hätte ich mich für eine Theorie entschieden. Ich wollte nur für soziologisches Denken an sich sensibilisieren – für das Denken, dass wir als Individuen nicht außerhalb einer Gesellschaft oder derselben als Gesellschaft gegenüber stehen, die unser Individuen-Dasein (zumindest im Selbstverständnis und in der Selbstzuschreibung) erst möglich macht. Und die vor allem nicht am eigenen Tellerrand endet. Und dass Wirklichkeit immer etwas ist, das von den gesellschaftlichen Verhältnissen abhängt, in denen wir leben. Dass sich mit letzteren die Relevanzstruktur ändert. Und dass es eben unterschiedliche „soziale Milieus“ und unterschiedliche Relevanzstrukturen gibt.

      Alles Liebe,
      Emma

    • Emma sagt:

      Nochmal kurz ein Nachtrag zu diesen beiden Sätzen, um das Ganze verständlicher zu gestalten:

      „Letztlich hat sich die Gesellschaft im Laufe der industriellen Revolution über Prozesse der Differenzierung, Domestizierung, Rationalisierung und Individualisierung dahin gewandelt, wie sie heute ist. Natürlich gibt es noch andere Faktoren, die an der Entwicklung beteiligt waren (ich habe z.B. den kalten Krieg oder die Konolialzeit gar nicht erwähnt).“

      Mit „noch andere Faktoren“ meine ich „andere Faktoren neben der industriellen Revolution“. Die industrielle Revolution (und andere Faktoren) waren meinem Verständnis nach die treibende Kraft hinter den genannten Modernisierungsprozessen der Rationalisierung, Differenzierung, Domestizierung und Individualisierung. Letztlich ist das ganze vielleicht eine Art Anpassung gesellschaftlicher Strukturen und Gegebenheit auf Struktur- und Gegebenheitswandel, wenn man so will.

      Ich wollte das nur nochmal explizit machen, da der Satz ggf. vermuten lassen könnte, ich würde „andere Faktoren neben den genannten Modernisierungsprozessen“ meinen – und das ist selbstverständlich Unsinn. Die beschriebenen Veränderungen finden _in_ der durch Modernisierungsprozesse gewandelten Welt sowie in Wechselwirkung mit dieser statt. Sie sind nicht _die_ Modernisierungsprozesse und ersetzen sie auch nicht. Aber natürlich wirken sie gleichzeitig auf die Modernisierungsprozesse ein, ja. Eine begriffliche Unterscheidung ist da gar nicht so einfach – daher hier nochmal diese Ergänzung.

      Alles Liebe,
      Emma

  • Kim sagt:

    Danke liebe Emma!

    Ersteres hab ich eigentlich schon die Hoffnung aufgegeben, jemals mich mit einem Studiengang anzufreunden, aber vielleicht wird es ja jetzt doch noch was mit dem Philsophie Studium.

    Zweiteres ist schwieriger zu erklären.
    Ich bin Teil dieser Generation Y Generation. Ich hinterfrage alles, trinke grüne Smoothies, bin ein mittelmäßiger Hipster von Zeit zu Zeit, starte gerade meinen eigenen Blog (Sag ich doch ..) und werd wohl demnächst einen kreativ Job nachgehen.
    Ich bin erst neulich in eine für mich unentdeckte Welt eingetaucht. Nachdem ich Erich Fromm „Haben oder Sein“ gelesen habe, erscheint mir alles in einem neuen Licht.
    Das Problem war die ganze letzte Zeit, dass ich nicht wusste, wie ich damit umgehen soll. Zum einen habe ich tiefen Selbsthass empfunden, weil ich andere für nicht intelligent genug gehalten habe, das für mich offensichtliche zu erkennen, zum anderen Verzweiflung und Frustration, weil ich daran gescheitert bin Menschen um mich herum einen Stück weit meiner Realität näherzubringen. Das Gefühl der Einsamkeit und Isolation hat mich umgeben.
    Jetzt habe ich viel Anschluss zu Gleichgesinnten gefunden und plage mich dennoch mit den Gedanken einer kunterbunten Parallelwelt mit verschiedenen Realitäten, Ansichten, Denken etc.
    Naja, so wirklich kann ich es auch nicht in Worte packen.
    Danke dir auf jeden Fall für die neuen Impulse und Denkanstöße.
    Alles Liebe dir und gutes Gelingen mit deinem Buch! 🙂

  • Sven Pohland sagt:

    Der Text gefällt mir , wenn auch ein wenig zu verkopft. Jedes Individuum möchte in seiner Einzigartigkeit gesehen und vor allem für sein wahres Selbst geliebt werden. Das Problem , dass Herr Nast hat ist , dass er wahrscheinlich nur Menschen kennt , die ein ein falsches Selbst in sich aufgebaut haben und deswegen man diese Person wegen seiner Einzigartigkeit nicht mehr schätzen sollte. Das Ego also. Nun , echte Emotionen können nur in Spiegel der Gesellschaft gelernt werden, da wir nun mal soziale Wesen sind. Vor allem die eigenen Eltern spielen hier eine große Rolle. Spielen Vater oder Mutter nur eine Rolle , übernimmt auch das Kind diese künstlichen Gefühle und wird später mit großer Wahrscheinlichkeit auch Partner suchen , die dem Ebenbild der Mutter oder Vater entsprechen.Vielleicht kennen ja manche die Prinzessin auf der Erbse oder der ewige Macho , der keine weichen Gefühlen zeigen darf. Wirkliche Stärke basiert darauf ,dass wir lernen , dass Schwäche und Unvollkommenheit zum Mensch sein dazu gehört. Und dass wir frei von Autoritäten( Eltern , Staat , usw) unsere eigenes Selbst entwickeln können. Dieser Weg ist schwierig und schwer. Aber die reiche Ernte wird früher oder später kommen..wenn auch mit ein paar Durststrecken.

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