Deine verdammten Monster haben einen anderen Plan

Du bist so viel mehr, als du vorgibst zu sein. Fühlst so viel mehr, als du dir eingestehst zu empfinden. Bist jemand, der sich im Kreis dreht, in einem Meer voller Verirrungen und vergaß, was er wirklich fühlte.

Du sagtest, du möchtest die Zeit zu unseren Treffen vordrehen. Du sagtest, dass du mich vermisst, dass du das nächste Treffen kaum erwarten kannst. Du bist 150 Kilometer gefahren, nachts, nur um zu mir zu kommen, nur, damit wir Arm in Arm einschlafen können. Du sagtest, die Zeit mit mir sei wunderschön. Jedes Wort, jede Tat war so wahrhaftig. Du suchtest meine Hand – im Auto, im Kino, auf der Straße.

Jeder Blick, jede Berührung, jeder Kuss, alles fühlte sich so echt an. So, als wären wir füreinander bestimmt.

Jeder Blick, jede Berührung, jeder Kuss, alles fühlte sich so echt an. So, als wären wir füreinander bestimmt. Als müsse es so und nicht anders sein. Als würde ich dich mein Leben lang schon kennen. Alles war so, als wäre dies der Beginn von etwas Großem! Und das bereits, seitdem ich dir das erste Mal in die Augen sah. Ich habe die Zweifel, die du später äußertest, nicht bemerkt, denn sie waren nicht existent. Waren nur die Mitgift der Angst vor deinen eigenen Gefühlen.

Da stehen wir nun. Schauen uns gegenseitig an – im Spiegel unseres Hotels, in welchem wir unsere letzte gemeinsame Zeit verbringen werden. Du nimmst mich in den Arm, küsst meine Stirn und sagst mir, dass wir wirklich ein schönes Paar wären. Deine Worte treffen mich wie Pfeile, denn ich merke, dass wir das, was wir nach außen vorgeben zu sein, nie sein werden. Denn zwischen dir und mir stehen deine Monster.

Du sagtest, du versteht dich selbst zu wenig, um mir erklären zu können, warum du so bist, wie du bist.

Du bist zu verkopft. Sagst, du bist auch früher Beziehungen nicht eingegangen aus Angst, der Frau weh zu tun, wenn du merkst, dass dies doch nicht das ist, wonach du suchst, wenn du merkst, dass sie nicht die Richtige ist. Du sagtest, dass du mich vor dir warnen musst. Du sagtest, du versteht dich selbst zu wenig, um mir erklären zu können, warum du so bist, wie du bist. Du zermarterst dein Hirn und willst eine eindeutige und todsichere Antwort darauf, ob ich die Richtige für dich bin.

Je mehr die Zeit voranschreitet, je mehr du merkst, wie sehr ich dabei bin, mich Hals über Kopf in dich zu verlieben, desto größer wird deine Angst. Angst vor den Monstern in deinem Hirn, die in dir umherwüten und dir nicht erlauben, dich fallen zu lassen. Monster, die dir sagen, dass du mich nicht genug mögen kannst, um das Risiko einzugehen, mich zu verletzen. Aus Angst vor der Situation redest du dir ein, dass alles nur eine schöne Zeit war, die es zu beenden gilt, bevor der Abschied uns noch schwerer fallen wird.

Du riefst mich an:

„Ich hab wirklich lange darüber nachgedacht. Ich glaube, dass es uns beiden weh tun würde, wenn wir das weiter laufen lassen.“ … lange Pause. „Ich denke, wir sollten es beenden, auch wenn es mir sehr schwer fallen wird, dich nicht mehr zu sehen.“ … Pause „Ich denke, dass wir uns in unserer Zukunft gegenseitig im Weg stehen würden. Du bist ein tolles Mädchen und hast eine tolle Beziehung verdient. Ich dachte, wenn ich viel Zeit mit dir verbringe, würde ich herausfinden, ob ich mich verliebt habe“ … Pause „Aber ich denke, das wird nicht mehr passieren.“

Ich lasse diese Aussage immer wieder und wieder in meinem leeren Kopf die Runden drehen.

Ich lasse diese Aussage immer wieder und wieder in meinem leeren Kopf die Runden drehen. Und wenn ich ehrlich bin, komme ich unter der Berücksichtigung meines inneren psychologischen Gutachtens über dich und unter Ausschluss der Fünkchen an Hoffnung, die sich in mir entzünden, zu folgendem Entschluss:

Deine Monster haben gewonnen. Wieder einmal. Sie haben dir eingeredet, du sollst weiter suchen nach dem todsicheren Gefühl, welches du nie haben wirst, wenn du dir selbst keine Chance dazu gibst, glücklich mit einem Mädchen zu werden, welches du deinem Verhalten zufolge zu sehr magst, um all das wirklich ernst meinen zu können.

Ich dachte, wir wären das Jetzt, das Morgen und das für immer. Doch deine Monster haben einen anderen Plan.

Wir sollen uns in unserer Zukunft nicht im Wege stehen? Für einen Moment dachte ich, Zukunft wären wir. Ich dachte, wir wären das Jetzt, das Morgen und das für immer. Doch deine Monster haben einen anderen Plan. Hinterlassen ein trauriges Du und ein zerrissenes Ich. Und das Schlimme ist, ich kann nichts dagegen tun.

Nun liege ich hier. Wach. Mitten in der Nacht und denke daran, wie du mich vor einer Woche noch im Schlaf in den Arm genommen hast. Wie du dich auf rote Ampeln freutest, nur um mich zu küssen. Wie wir genervte Blicke von anderen Urlaubern einfingen, die uns spüren ließen, wie nervig sie verliebte Pärchen finden. Ich würde dir gern schreiben. Möchte, dass du weißt, wie sehr ich dich vermisse.

Nun liege ich hier. Wach. Mitten in der Nacht und voller Sehnsucht. Wünschte, du würdest neben mir liegen und mir wenigstens noch die Chance geben, dich ein letztes Mal zu berühren, dich ein letztes Mal zu küssen, dir ein letztes Mal in deine wunderschönen Augen zu sehen und fälschlicherweise ein „Lebewohl“ zu flüstern.

Unsere Autorin will an dieser Stelle nur einen Film zitieren: „Jeder einzelne von uns ist die Summe jeglicher Momente, die er je erlebt hat, mit all den Menschen, die er kennt. Und diese Momente sind es, die unsere Geschichte ausmachen. So etwas wie unsere größten Hits unter unseren Erinnerungen, die wir im Geist immer wieder abspielen …“
Autorin

Eline Siebert

Headerfoto: Malik Earnest via Unsplash! (Gedankenspiel-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

1 Comment

  • Niki sagt:

    Vielen Dank für das Teilen deiner Geschichte – sie könnte ebenso meine sein. Mit dem Unterschied, dass ich das Mädchen war, das Eine. Letzendlich haben nach 7 1/2 Jahren seine Monster ebenfalls gewonnen. Vllt gilt es zu verstehen, dass man trotz Liebe zueinander nicht zusammen sein kann…

    „Writing is the painting of the coice.“

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