Deine braunen Augen oder das große Nichts

Mittlerweile ist es fast zwei Jahre her, seitdem ich dich zum ersten Mal gesehen habe. Es war auf dieser Party, der letzter Abend vor meinem geplanten „Neuanfang“ in Berlin. Ich saß inmitten von Leuten, die ich eigentlich gar nicht so gut kannte, und hatte gerade beschlossen zu gehen.

Auf einmal ging die Gartentür auf und du kamst rein, in deinem blauen Parka, suchend nach deinem Kumpel, der schon da war. In diesem Moment haben sich unsere Blicke das erste Mal getroffen. Später hast du mich an der Tür aufgehalten und mich in ein Gespräch verwickelt, schon hier hätte ich dir einfach stundenlang nur in die Augen schauen können. Was war das zwischen uns? Ich hatte das Gefühl, ich sehe dich an und alles ist gesagt. Eine Art von Vertrautheit, die mir vorher noch nie begegnet war, als würden wir uns schon ewig kennen, obwohl wir noch gar nichts voneinander wussten.

Wir verabredeten uns in Berlin, du würdest deinen besten Kumpel dort besuchen und dann könnten wir ja mal schauen … und tatsächlich, ein paar Wochen später saßen wir in meinem Lieblingscafé bei einem Bananenbrot. Wir redeten und redeten und aus dem geplanten Kaffee wurde der gesamte Tag, sogar der Abend. Im Club angekommen fragtest du, ob das ein Date gewesen sei? Innerlich jubelte ich, ihm ging es also auch so, dachte ich, aber jetzt immer die Ruhe bewahren, also schlug ich die Tanzfläche vor.

Wie zwei Teenager standen wir dort, eng umschlungen bis schließlich irgendwann die Sonne aufging.

Fast schüchtern wurde unser Tanz immer enger, bis auf einen weiteren tiefen Blick in deine Augen schließlich ein Kuss folgte. Wie zwei Teenager standen wir dort, eng umschlungen, konnten den anderen nicht loslassen, konnten nicht aufhören uns zu küssen, bis schließlich irgendwann die Sonne aufging. Ob wir uns wiedersehen hast du mich gefragt. Natürlich, mein Herz hüpfte. Du hättest allerdings solche Angst dich zu verlieben, das hätte beim letzten Mal so weh getan. Diesen Satz gabst du mir wohl als Warnung mit auf meinen Nachhauseweg.

Das Wochenende verging ohne ein Wiedersehen, aber schon bald folgte meine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in München – eine neue Chance, dich zu treffen. Freundschaftlich sehr gerne, war deine Antwort, für dich sei da nichts gewesen an dem Abend. Bitte was? Was genau war in dieser Woche vorgefallen? Du würdest noch an deiner Ex hängen war deine Begründung beim nächsten Treffen.

Fair enough, ja. Trennungen sind schmerzlich, aber hatte ich mir dieses Gefühl zwischen uns nur eingebildet oder hast du Angst bekommen? Schon zu diesem Zeitpunkt konntest du mir keine Antwort darauf geben.

Wir sahen uns und sie war wieder da – diese unbeschreibliche Anziehung.

Anstatt schnell zu rennen und die Schotten dicht zu machen, konnte und wollte ich nicht loslassen. Ich konnte nicht glauben, mir alles nur eingebildet zu haben. Es folgten diverse zufällige Treffen mit immer demselben Grundtenor. Wir sahen uns und sie war wieder da – diese unbeschreibliche Anziehung. Dieses Gefühl der Vertrautheit, als wäre der andere einfach schon immer da gewesen. Du sagtest sogar mal zu mir: „Immer wenn wir uns sehen, habe ich das Gefühl, wir kennen uns schon ewig.“

Kurz vor Weihnachten war sie dann endlich, die Adventsparty meiner besten Freundin. Ich wusste, du würdest kommen … Vorsorglich hängte ich ein paar Mistelzweige auf. Okay, um ehrlich zu sein: Ich hängte einen in jeder scheiß Ecke dieser Wohnung auf.

Ob es an den Zweigen lag, am Zirbenschnaps oder es einfach so kommen musste – wir landeten bei mir und es war unglaublich schön. Am nächsten Morgen standen wir fast ein Stunde in meinem Flur, ich konnte dich nicht gehen lassen, ein letzter Kuss folgte dem nächsten. Wir wussten beide, sobald du die Tür hinter dir zuziehen würdest, war es vorbei. Also küssten wir uns lieber noch mal und noch mal. Für dich war es schließlich nichts, das zwischen uns. Darauf lieber noch mal ein Kuss und ein tiefer Blick.

Das war’s – keine Antwort auf meine Fragen, keine Antwort auf mein Warum.

Am nächsten Tag schriebst du mir nur eine Nachricht – wie du es bereits angesprochen hattest – es war schön, aber nicht mehr. Das war’s – keine Antwort auf meine Fragen, keine Antwort auf mein Warum.

Die letzten zwei Jahre hatte ich genug Zeit, die Sache erst totzuanalysieren und sie Stück für Stück mit anderen kleinen Dramen aus meinem Leben zu kicken. Gut geht’s mir, dachte ich, die Zeit heilt eben doch so schön alle Wunden. Meine war anscheinend noch nicht fest genug zusammengewachsen, was mir schlagartig bewusst wurde, als ich wieder vor dir stand und wir das erste Mal wieder geredet haben.

Da war er wieder – dieser Moment, deine braunen Augen, die Stille zwischen uns, die alles andere als unangenehm war, sondern sich eher ein bisschen wie die Ruhe vor dem Sturm anfühlte. Dieses Kribbeln und der immer größer werdende Wunsch, in deinen Augen zu versinken und dich endlich wieder zu küssen. Du warst auf einmal wieder so nah. Viel zu nah für dich.

Ich würde dich nervös machen, du wärst schließlich neu verliebt und überhaupt, all das zwischen uns war schließlich nichts. Ein Nichts, das sich für mich so richtig anfühlt, bis heute. Ein Nichts, wegen dem ich bis heute auf der Suche nach der Antwort bin, ob ich mir wirklich alles nur eingebildet habe.

Friederike ist hin- und hergerissen zwischen Vernunft und Eskalation, zudem ziemlich überfordert mit dem Erwachsensein. Aber eigentlich ist sie total bodenständig, nur eben noch nicht jetzt – sondern später … vielleicht. Groß geworden in einer wunderbaren Kleinstadt, die auch irgendwann wieder Lebensmittelpunkt sein soll, wenn das „Großstadt“-Thema München abgeschlossen ist.

Headerfoto: Junger Mann via Shutterstock. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

1 Comment

  • Hallo liebe Friederike,

    tut mir leid, dass du so eine Erfahrung machen musstest.
    Auch noch so schöne Augen und Küsse sind es nicht wert, dass dich jemand hinhält oder verleugnet… Schieß ihn in den Wind, der hat dich nicht verdient 😉

    LG

    Miss M1ndfuck

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