De-Selfing – Vom Wir zurück zum Selbst

Ausgelöst durch eine kräftezehrende Trennung und getrieben von heftigem Liebeskummer stellte Fotografin Hsin Wang ihr Selbst und alles, was sie ausmacht, in Frage. Sie versuchte, ihren Charakter, ihre Glaubenssätze und ihren Umgang mit Männern komplett umzukrempeln, „more likeable“ zu werden. Der einzige Weg zurück in die Zufriedenheit, schien ihr eine völlige Transformation ihrer Selbst zu sein.

After a few years, though, I found that the more I de-selfed myself, the more I hated myself.

Irgendwann wurde Hsin allerdings klar, dass ihr dieses masochistische Verhalten nicht helfen würde, wieder eine glückliche Partnerschaft zu führen, geschweige denn mit sich ins Reine zu kommen. Also suchte sie nach einem Weg, um sich für das, was sie ausmachte, zu lieben, sich selbst anzuerkennen. So entstanden die Fotografien zu ihrer Fotostrecke „De-Selfing“. Die Selbstporträts begleiteten sie auf ihrem Weg zurück zu sich selbst und erlaubten ihr, ihre Ängste und eigene Instabilität auszudrücken.

Liebeskummer in all seinen Facetten kann man oft schwer erklären, vor allem wenn man selbst mittendrin steckt. Um ihre Gefühle dennoch ausdrücken zu können, nutzte sie verschiedene Materialien und männliche „Gegenstücke“ zu sich selbst. Ihr Gesicht bleibt dabei immer versteckt. So will sie Menschen, die auch gerade durch die Liebeskummer-Hölle gehen und Gefühle wie Verlust, Melancholie, Schmerz kennen, eine Projektionsfläche bieten. Auch der dunkle Raum abseits ihres Selbstbildnisses auf dem Foto ist kein Zufall. Er stellt für Hsin Isolation und Trauer dar.

Creating the images in De-Selfing has been a therapeutic process for me. Since starting the project, I have picked myself up piece by piece, gotten my confidence back, and been able to hear my own voice again.

Hsins Fotos stecken voller negativer Gefühle, Unsicherheit und masochistischen Gedanken – Dinge, die wohl jeder von uns, der schon mal eine richtig heftige Liebeskummerphase durchgemacht hat, nur zu gut kennt. Für mich sind ihre Bilder aber #notjustsad. Viel mehr schwingt in ihnen auch immer ein Stückchen Hoffnung mit – dass es irgendwann wieder besser wird, sich die geknickten Flügel wieder erholen und man Mut gewinnt, den Panzer abzustreifen, zu sich selbst zu stehen und sich trotz Verletzungsgefahr wieder ins Abenteuer Leben und Liebe zu stürzen.

Hsin Wang kommt aus Tawain und lebt aktuell in Brooklyn, New York.  In ihren Fotografien verarbeitet sie auf intime, ehrliche und teilweise provokante Weise persönliche Erlebnisse und Geschichten. Ihre Bilder stehen als kraftvolle Metaphern für komplexe Beziehungen und Gefühle, die mit Worten allein schwer zu erklären sind. Hsin geht es um Beziehungen zu anderen, aber vor allem um die Beziehung zu sich selbst. Ihre Arbeiten wurden im New York Times – T Magazine, bei Feature Shoot und vielen anderen Kunst-/Fotografie-Blogs und Magazinen veröffentlicht. Hsin wurde für den 27. Eddie Adams Workshop und 2014 für das New York Times Portfolio Review ausgewählt. Von der School of Visual Arts erhielt sie den Paula Rhodes Memorial Award für außergewöhnliche Leistungen in der Digitalfotografie.

Hsins fotografische Arbeiten findet ihr auf ihrer Website und bei Instagram.

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