Fuerteventura | Kanaren

Fuerteventura – oder Fuerte, wie wir Insider sagen – ist eine Insel der Kanaren und gehört somit offiziell zu Spanien, geographisch gesehen aber zu Afrika. Nach Marokko kann man quasi winken. Auf Fuerte leben rund 100.000 Menschen und gefühlte 7 Millionen Touristen – davon 50% Deutsche. Die Reisenden sind so alt, dass sie im Flugzeug nach der Landung noch euphorisch klatschen. How very Neunziger. Es wächst auf dieser Wüsteninsel nichts außer Lava, Mini-Palmen und Aloe Vera. Da es kaum regnet, muss alles künstlich bewässert werden. Der Versuch, Verkehrsinseln und Vorgärten zu begrünen wirkt mühsam. Ab und zu – vor allem, wenn ich da bin – fegt ein heißer Ostwind aus der Sahara herüber. Calima heißt das. Der Wind ist dann so voller feinem Sand, dass der Himmel verdunkelt wird.

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Heute ist der Himmel diesig, man kann die Konturen Teneriffas nur erahnen. Das sei marokkanischer Sand, sagt unser halbnackter Nachbar aus England. Der wohnt hier schon länger – der muss es wissen. Der Fakt, dass es sich bei diesem trüben Wetter um exotischen Staub handelt, macht es für mich total erträglich, dass ich unter drei Wolldecken liege und es zwischen meinen Zähnen knirscht.

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Ich wohne mit meiner Gespielin in El Cotillo, einem kleinen Fischerdorf, das vor allem für die geile surfbare Brandung bekannt ist. Sechs-Meter-Wellen, anyone? Außerdem ist man dort im rauen Nordern fernab der Bettenburgen des Südens. Wegen unseres CO2-Abdrucks – oder weil wir schlichtweg zu pleite sind – erkunden wir die Insel von El Cotillo aus zu Fuß. Wir folgen der Küste in alle (beiden) Richtungen, steigen auf bunte Vulkane und stolpern durch Steinplantagen. Meistens liegen wir aber nur so rum. Absolutes Highlight bleibt unser Zusammentreffen mit den flinken Inselhörnchen, die mich sehr mögen. Oder meine gigantische Karotte.

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Nach Fuerte kann man von Berlin aus in circa vier Stunden fliegen. Preise liegen zwischen 150 und 350 Euro. Auch im Januar hat man da ordentliche, aber nicht unbedingt badetaugliche Temperaturen. Die Insel ist so karg und langweilig, dass sie das richtige Programm für gestresste Großstädter bietet, die mal ihr W-Lan ausstellen und ein Buch lesen wollen. Kann ich nur empfehlen. Essen ist geil, wenn auch burger-/fischlastig.

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Zehn Dinge, die ich auf Fuerteventura gelernt habe:

  1. Es gibt riesige Papayas – ganz ohne Kerne und Schleim, innen einfach blank wie ein Babypopo.
  2. Frisuren sind echt überbewertet. Außer dieser Fischgrätenzopf, den ich auf der Dachterrasse erlernte.
  3. Wenn du 5 Kilometer joggen kannst, kannst du auch 10 joggen. (Erkenntnis von extern geborgt.)
  4. Spanisch und Italienisch sind sich echt ähnlich. Ich spreche beides nicht.
  5. Vier Avocados sind auch eine Mahlzeit.
  6. Man kann das Handy bei einem Taugesausflug auch zu Hause lassen, weiß dann allerdings nie, wie spät es ist. (ToDo: Armbanduhr kaufen.)
  7. Man müsste grundsätzlich viel mehr Zeit in der Sonne verbringen.
  8. Der kürzeste Weg ist der beste, wenn manchmal auch extrem steinig.
  9. Man kann zwei Bücher lesen. In einer Woche!
  10. Pferde, Menschen, Hunde, Streifenhörnchen – alle mögen Karotten.

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Ich bin übrigens froh, dass ich dieses Wetterphänomen – Calima – erst jetzt, nach meiner Reise, ausgiebig recherchiert habe, denn ich fand heraus, dass sich häufig auch afrikanische Wanderheuschrecken sowie andere Insekten mit dem Wind nach Fuerte einfliegen lassen. Im Sinne von: echt viele davon. Absolutes Albtraum-Material. Ehrlich gesagt kann ich euch nun wirklich nicht mehr zu einem Besuch dieses Krisengebietes raten. Anreise auf eigene Gefahr.

Okay, und weil’s so schön war:

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