Berlin Wonderland | 1990-1996

Berlin Wonderland.
Wild Years Revisited. 1990-1996

Auf den Punkt gebracht:

Berlin, alles auf Anfang 1990. Mitte lädt ein in die „Wunscherfüllungszone“, frei nach dem Motto: ‚Lass ma` n paar Häuser besetzen und gucken, was dann so abgeht.‘ – Viel, wenn man sich dann durch die Geschichte von Tacheles, IM Eimer, Synlabor und Schokoladen blättert. Dazwischen das Gefühl von grenzenloser Freiheit. Ein engagierter Bildband reich an kollektiver Nostalgie in Schwarz-Weiß.

Wer soll es lesen?

Phantasten, Künstler, Berlin-Liebende, Extrem-Nachtschwärmer, Synästhetiker, FKK-Lovers, Immer-noch-Druffies, Barfuß-Tänzer und Dauerstudenten sowieso die ganze Palette von ehemaligen Hausbesetzern, Punks und Anarchos.

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Ist geil, weil:

Dass der heute in Latte Macchiato getränkte Bezirk Mitte mal aus einem Drecksloch aus unsanierten Fassaden und turmhohem Bauschutt bestand, ist kaum vorstellbar. Auch seien David Hasselhoff und Lavalampen mal eben aus der üblichen Assoziationskette verbannt, denn Chris Keller und Anke Fesel haben eine Reihe von Interviews mit damaligen Kunstschaffenden geführt, die rund 200 Beweisaufnahmen einer ganz anderen Retroperspektive zeigen. Katapultiert wirst du nämlich in eine Zeit, in der laute Technoklänge den Rhythmus der Nacht bestimmten, Kreative sich die Welt gerechter malten und Hausbesetzer erstem Neo-Idiotentum den Kampf ansagten. Du stapfst dich durch 240 Seiten Umwandlungsprozess, der Menschen aus der ganzen Welt wie eine Magnetnadel auffädelte. Alles schien möglich, alles im Zeichen des Aufbruchs. Am Ende der letzten Seite kann man kaum glauben, dass das gerade mal um die 20 Jahre zurück liegen soll. Ein absolutes, unausweichliches und großgeschriebenes MUSS für Freunde der Berliner Subkultur und des gepflegten Bildbandes.

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Es wurde getanzt und getrunken und die Augen der Ruinenbewohner leuchteten vor Glück, zur rechten Zeit am rechten zu Ort sein.

Nur mal so:

Wem der Bildband allein nicht reicht, kann sich die Ausstellung noch zum bis 22. November in der Sophienstraße 21 anschauen. Und wer zu den ganz Wagemutigen gehört, der folge dem Ruf des geräumten Kunsthauses Tacheles nach Marzahn auf das Gelände des ehemaligen Magerviehhofs.

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Berlin Wonderland“ – erschienen im Gestalten Verlag für 29,90 Euro

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