Auf die Männer, die wir hatten

Wir liegen unter ihnen.
Sie vergraben ihre Köpfe zwischen unseren Beinen.
Wie räkeln uns, um zu gefallen, um zu manifestieren. Im Kopf der 5., 6. oder 7. großen Liebe unseres Lebens.
Ein sündiger Augenaufschlag hier.
Ein verführerisches Seufzen da.
Gefühlte hundert vorgespielte Orgasmen, um den Königen der Nacht nicht die Königlichkeit zu nehmen.
Gefallen, um zu lieben. Um geliebt zu werden.
Und was bleibt?
Eine Nacht, in der wir alles geben, um nichts zu behalten.

Also stellen wir alles wieder auf Anfang und das nur, weil wir das, was wir so unbedingt wollten, augenscheinlich nie bekommen werden.

Wir erobern Konzerne.
Wir reisen einmal um die Welt und wieder zurück.
Wir ziehen alleine Kinder groß.
Wir sind die Jäger und wir sind die Sammler.
Wir leiten Firmen und Länder.
Wir scheitern, aber wir sehen toll dabei aus.

Wir sind die Heldinnen unseres Lebens.

Wir rennen weg und wir kommen wieder.
Wir lieben wie die Männer und wir leben auch wie sie.
Wir nehmen uns, was wir wollen. Aber nur dann, wenn wir es nicht behalten wollen.
Dann nämlich sind wir stumm.
Sagen nichts.
Fragen nicht. Weil wir Angst vor den Antworten haben.
Gehen lieber einen Schritt zurück, als einen Schritt auf ihn zu.
Hängen tagelang unseren Gedanken nach und zehren nächtelang von diesem einen Kuss.
Dem Kuss, den es vielleicht nie wieder geben wird.
Dem Kuss, der soviel besser war, als jeder andere, den es jemals gab und den es jemals geben wird.

Und dann stellen wir wieder alles auf Anfang.

Wir trinken auf die Männer, die wir lieben.
Auf die Männer, die wir hatten.
Auf die, die wir gerne gehabt hätten und dann … dann trinken wir auf den, den wir behalten wollten.

Wir trinken auf alte Jahre. Auf alte Autos, alte Freunde und alte Lieben.
Auf das, was noch kommt.
Auf das, was war.
Auf das, was ist.

Und ich?
Ich trink auf Dich.
Weil nichts mehr ist ohne Dich!

Insa Winter glaubt nach wie vor an die Liebe und noch mehr an ihren bestens funktionierenden Verdrängungsmechanismus. Des öfteren rennt sie weg – davon überzeugt, dass nach ihrer Rückkehr die Ordnung wieder hergestellt ist und ihre Welt sich weiter dreht. Außerdem arbeiten prinzipiell alle technischen Geräte in ihrem näheren Umfeld gegen sie.

Headerfoto: Bethany Bailey via Creative Commons Lizenz!

imgegenteil_InsaWinter

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6 Comments

  • ich finde es auch nicht besonders erstrebenswert, aber so sind wir Frauen heutzutage oft. Wir müssen alles können und dürfen keine Schwäche zeigen. Wer versorgt denn unsere Familie, wenn wir uns nicht den A**** aufreißen? Auch mit einigem Nachdenken kenne ich kein Beispiel, in dem ein Mann alles zusammen hält. Ein Beispiel, in dem eine Frau nach der Arbeit auf der Couch sitzt, sich ein Bier aufmacht und TV schaut. Daneben der putzende Mann, der pünktlich das Essen fertig hat. Sieht es nicht oft so aus: Die Frau kommt nach der Arbeit nach Hause, kümmert sich um die Versorgung der Kinder, macht den Haushalt, kocht nebenbei etwas zu essen. Sie hält alles zusammen. Ich bin stolz darauf, was Frauen heutzutage leisten und erreichen, habe aber gleichzeitig Sorge, dass gerade diese tollen Frauen irgendwann einfach umkippen.

  • Wenn dir der Text sagt das ich ein trauriges Frauenbild habe dann hast du den Text rein gar nicht verstanden; und wenn du bei all deinen Sexerlebnissen noch nie einen Orgasmus vorspielen musstest, weil du immer einen hattest-dann herzlichen Glückwunsch!

  • „Ein sündiger Augenaufschlag hier.
    Ein verführerisches Seufzen da.
    Gefühlte hundert vorgespielte Orgasmen, um den Königen der Nacht nicht die Königlichkeit zu nehmen…“ Im Ernst??? Was hast Du denn für ein trauriges Frauenbild?

    • Liebe Annika,

      Du bist wahrscheinlich nicht so, ich bin ganz sicher nicht so – aber ein ganz großer Teil der Mädels und Frauen machen genau das, ich sehe und höre das immer wieder, sowohl von Männern, als auch von Frauen. Das Standardprozedere ist ja heutzutage leider oft das folgende: Mann und Frau haben Sex. Frau verliebt sich, Mann will keine Beziehung. Frau will Mann nicht verlieren, ihn im besten Fall auch verliebt machen => Frau tut alles, um Mann zu gefallen. Und ist dann genau so „süß“ oder „porno“ wie es der Mann eben gerne hat. Mann merkt kaum, dass Frau hier einfach nur etwas vorspielt, das sie nicht ist und Frau bricht es das Herz, früher oder später. Das ist nicht schön und auch nicht die Regel, aber leider ganz oft Realität.
      Ich glaube auch, dass zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Männern und Frauen viel unkomplizierter und ehrlicher wären, wenn alle Frauen der Welt ihre anerzogenen Verhaltensmuster einfach abwerfen könnten.
      Amen. 😉

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