arschloch forever

hallo tinder-date, ich bin max – und ich bin ein arschloch.
ich will nur mit dir schlafen und würde dir dafür wahrscheinlich die sterne vom himmel lügen.
ich erzähle dir, dass ich irgendein toller manager bin, zeige dir meine sensible seite, frage dich über dies und das aus und streiche dir lässig die haare ausm gesicht.
irgendwann werde ich ziemlich plump versuchen, dich zu küssen (spiel lieber mit, sonst bin ich sofort weg).
sobald wir knutschen, gehe ich dir ganz fix an die wäsche.
zack, schon ist mein finger in deiner pussy.
und wenn ich dann endlich nach 30 sekunden in dir gekommen bin, möchte ich, dass du dich anziehst und gehst.
erwarte keinen abschiedskuss oder sonstige gefühlsduseleien, damit ist es dann vorbei. denn sehr wahrscheinlich fällt mir direkt nach dem sex auf, dass ich dich eigentlich gar nicht mag.
sollte mir der sex mit dir jedoch überraschenderweise gut gefallen, dann darfst du vielleicht noch mal wieder kommen.
es wird dabei aber nur einer kommen: ich.
denn du und deine befriedigung, ihr seid mir echt ziemlich schnurz.
ich werde dich von zeit zu zeit, meistens mitten in der nacht (oder eher: im morgengrauen) höchst betrunken anrufen und dich zu mir bitten.
merke: ich werde nie, niemals bei dir vorbeikommen, dafür bin ich viel zu faul (oder du bist ein seitensprung).
bestenfalls wird gewohnheit aus unserer sex-affäre. und dann vielleicht sogar irgendwann eine beziehung. obwohl ich sie nie so nennen werde.
denn glaub mir eins – sollte ich jemals das wort „beziehung“, „freundin“ oder gar „liebe“ in den mund nehmen müssen, dann bin ich weg.
also beeile dich mit dem glücklich sein, denn mit mir ist es arg flüchtig.
erst komme ich zu schnell, weil ich es nicht fassen kann, dass ich wirklich sex mit dir habe. irgendwann komme ich gar nicht mehr, weil ich es nicht fassen kann, dass ich immer noch sex mit dir habe.
am ende sag ich dann: ich hab dich doch gewarnt, dass ich ein arschloch bin.
und du wirst mir zustimmen und mich verfluchen und mir noch eine zeit lang hinterherheulen, denn ich werde dir noch ewig das gefühl geben, dass du mich doch noch haben könntest – nur um das spiel so lang es geht auszureizen.
solltest du dann jemand neuen kennenlernen oder andersweitig glücklich werden, fällt es mir ganz plötzlich wie schuppen von den augen:
ich habe dich geliebt! schon immer! ganz bestimmt! ich will dich sofort wiederhaben! niemand darf dich besitzen außer mir!
und dann kommt die schlimmste phase: eine anstrengende mischung aus eifersucht & selbstmitleid, clever getarnt als liebeskummer.
mit der zeit beginnst du dann selbst an meine liebe zu glauben, die ich mir nach unserer trennung notgedrungen ausgedacht habe.
und dann geht das drama von vorne los…
also, was sagst du?

ps: eigentlich mache ich es mir ja nur leicht mit meiner arsch-masche.
für ein weichei-geständnis hab ich nun mal nicht die eier in der hose.
gefühle sind einfach zu risky (und falls die ego-masche nicht zieht, kann ich dir ja immer noch mein herz ausschütten).
also: arschloch forever!

dein max.

Headerfoto: Stephanie GA via Creative Commons Lizenz! (Bild gecroppt.)

MAX KORN. Der Emanzipationsprozess hat das männliche Geschlecht an den Rand seiner Existenz gedrängt, er weiß nicht mehr, wo und wie er zu verorten ist. Charlotte Roche, Helene Hegemann, Sarah Kuttner: Die neue starke Pop-Literatur scheint höchst weiblich, die Psyche des modernen Mannes wiederum bleibt weiterhin weitestgehend unentdeckt. Max Korn wagt sich nun an diese schier unbewältbare Bestandsaufnahme. Ehrlich, ironisch, selbstsüchtig, zerfleischend, größenwahnsinnig, schamlos, und trotzdem irgendwie allgemeingültig: Selten wurde der moderne junge Mann so von innen nach außen gekehrt.

8 Comments

  • Merke: Schuld sind immer die anderen. Klar, du machst ein paar Fehlerchen, die dir auch wohl bewusst sind aber im Wesentlichen gilt die Schuldigkeit an deinem Unglück den anderen.

    Übrigens gilt das auch für alle anderen. Die sind auch nicht Schuld, sondern die anderen anderen. Und ganz am Ende der Kette, nach 6 Milliarden Menschen, ist er dann da: Einer der wenigen anderen, in diesem Fall Max.

  • Nun ja, Tinder ist eben eine Beischlaf-Börse, zumindest bei Twens und der noch nicht vermittelten Ü30 Resterampe. Wer sich dort tummelt, sollte kaum ernsthaft eine Beziehung erwarten, maximal erreicht man den Mingle-Status. Noch dazu potentiert sich das Problem durch das reichgedeckte Großstadt-Single-Buffet. An jeder Ecke lauert die Versuchung. Ist wie Carsharing. Welcher Egotaktiker möchte sich da noch ernsthaft binden (bzw. ‚committen‘)?! Ist aber kein reines Männerding.

    • es stimmt, arschlöcher verstecken meistens nicht, wer sie sind. aber wir mädels wollen zu oft glauben, dass wir sie von ihrer „arschlöchigkeit“ heilen könnten. im endeffekt werden wir dann oft selbst zum arschloch, wenn wir irgendwann aufgeben.

    • …… natürlich gibt es davon viele, denn diese masche funktioniert ja auch hervorragend! diese männer bekommen sicher auch nicht oft alles vor die füße geschmissen, mit den worten: „du bist n super kerl…. aber mir einfach zu nett/brav/…“ also bitte… was man will, bekommt man halt….

  • das ist mir ja fast schon zu schonungslos offen. die eigenschaft eine klare entscheidung zu treffen, sie klar zu kommunizieren und diese straight zu exekutieren unterscheidet aber den mann vom jungen.

    p.s. zu tinder habe ich auch mal was geschrieben (und dieser seite, leider erfolglos, zur veröffentlichung angeboten)

    ihr findet meine bitten auf:
    http://www.keinervoneuch.de
    unter externe publikationen..!

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