Anständig leben – plastikfrei, vegan und fair?

Mit dem Vorhaben, mich drei Monate lang einer Slowfashion-Challenge zu stellen, hat mein Versuch in Sachen grüner Lifestyle begonnen. Die Testphase ist nun um. Immer wieder habe ich hier über faire und lokale Brands berichtet. Doch ist das wirklich ein ernsthafter Versuch gewesen, als Einzelner die Welt ein bisschen besser zu machen? Wohl kaum. Denn mit ein bisschen grüner Mode ist es noch längst nicht getan. Aber es ist ein guter Anfang. Ein Anfang, sich mit der Textilindustrie kritisch und umfassend auseinandersetzen. Ich wusste im Unterbewusstsein eigentlich schon lange, dass in der Textilbranche etwas nicht stimmt, es hat aber diese Erfahrung gebraucht, um für mich die Lawine ins Rollen zu bringen.

Denn mit drei Monaten fairer Mode und bewussterem Konsum kommen auch andere Erkenntnisse daher: Ich bin zwar noch weit davon entfernt, meinen ökologischen Fußabdruck zu verringern, aber die Einsichten sind da. Zweifelsohne verändert sich das persönliche Bewusstsein durch ein solches Experiment: Der Blick wird geschärft und Wegwerfmentalität, Verpackungswahn und der bodenlose Massenkonsum in unserer Gesellschaft fallen denen, die sich auf den Weg machen, plötzlich ins Auge. Und von hier aus gibt es kein Zurück mehr.

Vegan leben. Kleidung und Nahrungsmittel fair und regional kaufen. Ein Dasein ohne Plastik führen.

Gerade erst habe ich angefangen, mich intensiver mit dem Thema Zero Waste auseinanderzusetzen und mein Verhältnis zu Plastik auf den Prüfstand zu stellen. Viele Produkte, die wir ohne nachzudenken tagtäglich verwenden, werden nur mit Plastikanteilen oder -verpackungen verkauft, speziell im Bereich Körperpflege. Zahnbürsten, Duschgel, Wattestäbchen: Der massenhafte Einsatz von Plastik in unserem täglichen Leben nimmt kein Ende.

Als Teenie habe ich mich noch über meine Müsli essende Mutter amüsiert, die Löwenzahn für den Salat und Kräuter für Tee und Haarspülungen pflückte. Heute bin ich froh darüber, dass anscheinend doch ein kleiner Teil dessen auf mich abgefärbt hat. Ich esse nach wie vor kein Fleisch und auch sonst kaum tierische Produkte. Wenn ich beispielsweise doch einmal das brennende Verlangen nach einem Stück Käse habe, dann kaufe ich es eben.

Doch heute bin ich mir der Umstände bewusst. Um ein Kilogramm Rindfleisch herzustellen, benötigt man 15.500 Liter Wasser und 6kg Soja und Getreide. 98% aller Nutztiere werden in Deutschland in Massentierhaltung gehalten. Leider werden tierische Produkte in unserer Gesellschaft mit einer großen Selbstverständlichkeit und Gedankenlosigkeit verzehrt.

Ich glaube, es geht letztendlich darum, Verantwortung zu haben und auch haben zu wollen, nicht die Augen zu verschließen. Denn unsere Entscheidungen haben Auswirkungen. Es sind letztlich die ganz normalen Konsumenten, die durch ihr Verhalten auf Gesellschaft und Politik Einfluss nehmen, um auch bei den »Großen« einen Richtungswechsel erreichen zu können. Ob das ausreicht?

Was will ich bezwecken? Ich möchte Anstöße und Anregungen geben, wie es gelingen kann, vegan, plastikfrei und nachhaltig oder einfach etwas bewusster zu leben und zu konsumieren – und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich Themen ansprechen, die für viele Menschen noch fremd sind und neugierig machen, mehr über diese seltsame und fremde Welt der Nachhaltigkeit zu erfahren.

Ich habe mich auf den Weg gemacht. Vegan, plastikfrei, nachhaltig. Noch bin ich selbst ein bisschen zwischen den Welten zerrissen. Habe hier und da von Massentierhaltung und gentechnisch veränderten Zusatzstoffen gehört. Mich wirklich auf die neue Seite zu schlagen, fällt noch schwer, denn dazu hänge ich noch zu sehr im hippen Leben mit all den technischen Gadgets.

Doch mit »Jute statt Plastik« an der Oberfläche kratzen, kann man ja schon mal und vielleicht auch darüber grübeln, ob das Gummiband um den Schnittlauch im Biomarkt ausschlaggebend ist oder nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.