Alaska – von Bergen, Gletschereis und wilden Tieren

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Kaum gingen die Sommerferien los, erfüllte ich mir einen (ehrlich gesagt noch nicht ganz so lang gehegten, aber dennoch sehr ausgeprägten) Reisetraum und es ging via Frankfurt mit der Condor direkt nach Anchorage, Alaska. Da das Wetter perfekt war und wir eine halbe Stunde Verspätung hatten, erfreute uns unser Pilot mit einer Umrundung des Mount McKinley (6194m) – was für ein Berg!

Die 21 Tage waren nur grob durchgeplant, da wir ein Mietauto (einen wirklich sehr kleinen Chevrolet Sonic) und ein Zelt samt restlicher Campingausrüstung hatten. Eine grobe Drittelung ergab: eine Woche Kenai Halbinsel (angeblich Alaskas Spielplatz, da das wahre und wilde Alaska fernab der geteerten Straßen im Norden beginnt), eine Woche Roadtrip von der Hatcher Pass Region über den Glenn Highway mit Abstechern nach Valdez, Kennicott, Chena Hot Springs und Fairbanks und die letzte Woche noch Denali Nationalpark (von dem ich zugegeben erstmals in Twilight gehört hatte) und wieder Anchorage.

Die Campingplätze in Alaska sind wirklich toll und kosten meistens nur 10 $ pro Nacht pro Campsite. Diese sind immer mit einer Tisch-Bank-Kombination und einer Feuerstelle ausgestattet und die Plumpsklos sind wirklich extrem sauber – sowas gäb’s bei uns in Deutschland wohl eher nicht. Vorab buchen kann man auch nirgends (außer in Denali), man kommt hin, fährt einmal rundum und sucht sich etwas aus. Außerdem gibt es bärensichere Mülleimer, damit bei richtigem Camping-Verhalten die einzigen ungebetenen Gäste die zahlreichen Moskitos bleiben. Zum Glück gibt es in Alaska dafür viel wirksameres Spray als bei uns.

Da die meisten Touristen doch Amerikaner mit riesigen RVs sind, gibt es leider wenig Campgrounds mit Duschen. Aber dafür gibt’s viele Seen, die auch zum Baden warm genug sind. Für ein bisschen mehr Komfort und warmes Wasser haben wir dann aber doch meist nach vier oder fünf Nächten Camping bei Airbnb für zwei Nächte eine Unterkunft gebucht, manchmal auch erst ein bis zwei Tage vorher. Gratis WLAN gibt es nämlich überraschend oft in vielen Cafés, Supermärkten und Restaurants.

Was wir im Voraus gebucht hatten, war die Kenai Fjords National Park Northwestern Glacier Tour mit dem Schiff von Seward aus. Nicht ganz billig, dauert aber neun Stunden und wir haben wahnsinnig viele Tiere und Gletscher gesehen. Absolut empfehlenswert und eins meiner Highlights der Reise! Das Bear-Flight-Seeing von Soldotna mit dem Wasserflieger aus rüber zum Wolverine Creek im Lake Clark Nationalpark gehört auch zu den kostspieligeren Highlights, war aber auch jeden Cent wert. So nah kommt man wohl sonst nie an die Bären heran. Das hatten wir auch spontan einen Tag vorher im Kenai Visitor Center gebucht. Die Leute dort und generell in Alaska sind übrigens wahnsinnig nett und hilfsbereit!

Der Osten Alaskas hatte viele schöne Seiten, aber irgendwie dann doch nicht so viel zu bieten. Der größte Nationalpark, Wrangell-St-Elias, ist nur sehr schwer zu erreichen und was Wandermöglichkeiten und Camping angeht, noch nicht sonderlich gut erschlossen. Generell möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass unser Mietauto zwar putzig war und alles grade so reingepasst hat, allerdings darf man damit NICHT auf Schotterstraßen fahren. Und so wie diese (besonders z.B. die Mc Carthy Road) beschaffen sind, möchte man das auch gar nicht. Insofern rentiert es sich vermutlich doch, einen Pickup oder irgendetwas Größeres auszuleihen, dann darf man auch den Denali Highway, den Dalton Highway und andere spannende Straßen befahren, die uns leider vorenthalten blieben.

Ein Traum war am Ende der Reise natürlich der Denali Nationalpark. Da wir keine geübten Back-Country-Camper sind, haben wir uns für den Riley Creek Campground am Parkeingang entschieden. Dort gibt es ein Besucherinfozentrum, WLAN, Duschen, Waschmaschinen, einen kleinen Supermarkt und was man sonst so braucht. Wir hatten weit im Voraus einen Shuttle-Bus zum Wonderlake gleich um 6:15 morgens gebucht, da die ersten Busse angeblich immer am meisten Wildlife zu sehen bekommen. Wir hatten keinen Tourbus, weil die teurer sind und die Busfahrer der Shuttles eh viel cooler und eigentlich genau dasselbe erzählen. Durch einen glücklichen Zufall haben wir am Tag davor auch schon günstige Karten für eine Tour bis zum Eilson Visitor Center bekommen, sind also zweimal mit dem Bus in den Park – anders geht es übrigens auch nicht. Nur zu Fuß. Bis zum Wonderlake fährt man allerdings einfach 5,5 Stunden mit dem Bus – diverse Zwischenstopps für Fotos inklusive. Grizzlies, Caribous, Moose und mit etwas Glück den Mount McKinley. Angeblich zeigt sich der nur selten (30% der Besucher sehen ihn), aber wir hatten zweimal Glück!

Falls ich irgendwann noch mal nach Alaska komme, würde ich noch mehr Zeit auf der Kenai Halbinsel verbringen und bis Homer runterfahren, oder mich mit dem Buschflieger im Lake Clark Nationalpark absetzen lassen und dort Backcountry-Hiking machen. Das muss toll sein und da ist halt mal wirklich niemand! Den mittleren Teil unserer Reise würde ich canceln (nur um den Glenn Highway wäre es schade, der war wirklich wahnsinnig schön!). Dafür mehr Zeit in Denali und eben auch irgendwo im Park fernab der Campgrounds rumlaufen mit kleinen Bear-safe-Containern. Tja und dann eben noch die „obere rechte Ecke“ erkunden und auf dem Top-of-the-World-Highway rüber bis Canada fahren.

Und mit dem richtig warmen Schlafsack bzw. sinnvollererweise vielleicht doch mit einem RV wäre es Mitte September wohl besonders schön, weil die Farben da einfach atemberaubend sein müssen. Dafür wars Anfang August warm und das Wetter war spitze!

DIE FOTOGRAFIN: Sophie Saller wohnt im schönen München, ist hauptberuflich Lehrerin und fotografiert schon seit 2006 leidenschaftlich gerne. Seit 2010 ist sie als Hochzeitsfotografin unterwegs und es macht ihr wahnsinnig viel Spaß. Beim Wandern oder auf Reisen darf die Kamera natürlich auch nie fehlen. Mit Alaska und La Réunion hat sie sich bereits zwei Traumreisen erfüllt. Island, Neuseeland und die Mongolei fände sie auch sehr spannend. Blog | Facebook 

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