70 Doppel-G oder: Wie ich gelernt habe, meine großen Brüste zu lieben

Ich glaube, es gibt keine Assoziation, die näher mit dem Begriff „Frau“ verknüpft ist, als „Brüste“. Zumindest unterbewusst. Und mit dieser Behauptung ziele ich nicht nur auf Männergehirne, sondern auch auf die der Frauen. Ich habe keine Freundin, die sich nicht wenigstens einmal zu ihren Brüsten geäußert hat. Da kann man in 2018 leben, wie man will – zum Yoga gehen, meditieren, detoxen und retreaten, aussteigen, sabbaticaln und sich den eigentlich wichtigen Dingen im Leben bewusst werden.

Nur wenigen gelingt es wirklich langfristig, sich keine Gedanken mehr darüber zu machen, wie man aussieht oder was die Gravitation beim Älterwerden mit einem anstellt. Die genau gegensätzliche Trendbewegung des Bodykults könnte da mit reinspielen. Vor allem, wenn man einen Instagram-Account hat. Der Körper ist deine Visitenkarte. Sagten auch: 500k Follower.

Viele junge Mädchen bleiben trotzdem cool und lassen sich davon nicht beeindrucken. Sie definieren sich nicht über ihren Körper, sondern über ihre Denkweisen. Sie retten mit wieder verwendbaren Jute-Beuteln den Planeten, mit Soja-Steaks die Tiere und mit der Entscheidung, keinen BH zu tragen, das natürliche Bild des weiblichen Körpers – und das mitten in der Zivilisation. Ich wäre unheimlich gern bei allem dabei, aber mit einer gottgegebenen 70 Doppel-G ist zumindest Letzteres echt ausgeschlossen.

Wenn du große Brüste hast, dann ist das ein Thema in deinem Leben. Und zwar nicht nur bei der Frage, ob du einen BH tragen solltest oder nicht.

Wenn du große Brüste hast, dann ist das ein Thema in deinem Leben. Und zwar nicht nur bei der Frage, ob du einen BH tragen solltest oder nicht. Die zwei Gesellen sind einfach gern in Bewegung und zwar überall hin. Jetzt will ich denen den Spaß gar nicht verderben, aber tatsächlich finde ich es äußert angenehm, nicht immer die komplette Aufmerksamkeit auf meinen Brüsten zu haben. Weder meine noch die der anderen. Das allerdings, so erzählt mir meine eigene Biografie, ist gar nicht mal so einfach.

Wann genau aus der Hühnerbrust mein Busen wurde, weiß ich nicht mehr genau. Dass aber pubertierende Jungs richtig miese Sprüche draufhaben, habe ich nicht vergessen. Heute quetsche ich darüber einen Schwamm aus, damals war ich allerdings nicht ganz so lässig unterwegs. Der Hassle nahm seinen Anfang und der Fokus war gesetzt.

Das Thema BH an mich heranzutragen war ganz schwierig. Bevor ich musikverliebt war, war ich sportverliebt und wollte somit die erste Frau werden, die ausschließlich „Tops“ (Bustiers) trägt. Eine Weile war das okay, irgendwann aber auch irgendwie peinlich, vor allem in der Umkleide in der Schule und deswegen musste doch mal so ein Ding her. An einem Nachmittag schlich ich mich heimlich alleine zu H&M. Ich glaube, damals ging das Sortiment bis D. Ich nahm zwei, aber so richtig gepasst haben sie nicht. Die Hupen mussten also immer wieder – hoffentlich sieht es keiner – einsortiert werden. Anstrengend. Peinlich. Unangenehm.

Irgendwann hatte meine Mutter es gut gemeint und wollte mir welche in der richtigen Größe kaufen. Ich war nicht bereit, mit in den Laden zu gehen, weil mir meine großen Brüste einfach reichlich unangenehm waren. Das Resultat waren zwei „Oma-BHs“ mit Spitze in weiß und rot und ich bin heulend in mein Zimmer gerannt. Hässlich, hässlich, hässlich. Ich bin verflucht.

Eine Zeitlang war ich davon überzeugt, dass mein Glück darin liegen würde, mir die Brüste verkleinern zu lassen.

Eine Zeitlang war ich davon überzeugt, dass mein Glück darin liegen würde, mir die Brüste verkleinern zu lassen und vielleicht würde es ja sogar die Krankenkasse bezahlen. Weil, wer hätte es gedacht: Große Brüste + falscher BH = krumme Haltung, Rückenschmerzen und Nackenverspannungen. Ich habe mich glücklicherweise dagegen entschieden und bin immer wieder lieber zum Arzt gerannt, um mir Massagen verschreiben zu lassen.

Natürlich ist das keine Langzeitlösung. Deswegen empfahl er mir, dass ich den Kern meines Körpers trainiere, damit ich eine bessere Haltung bekomme. Also, die Bauch- und die untere Rückenmuskulatur. Teufelskreis, Baby! Denn das Thema BH hört ja bei der Unterwäsche nicht auf. Das geht beim Bikini und beim Sport weiter. Geh mal in ein Sportgeschäft und versuche ein Sport-BH für große Brüste zu kaufen. Für die, die es wirklich am allerbittersten nötig haben, gut eingepackt zu sein. Watch yourself fail! Ich habe einen Großteil meiner Fitness-Studiobesuche damit verbracht, einen unpassenden BH und darüber einen unpassenden Sport-BH zu tragen, damit wenigstens irgendwie irgendwas hält.

Die große Erlösung kam erst, als ich nach Berlin zog. Es war mein erster perfekt passender BH. Ich hatte das Glück, dass die Schwester meines damaligen Bandkollegen bei Doppel D, einem Unterwäscheladen für Frauen mit schön viel Oberweite, arbeitete und mich einlud, doch einfach mal vorbei zu kommen. Nach einer halben Stunde war ich ein anderer Mensch. Sie hat mich vermessen und mir von A bis Z die Wissenschaft des BHs erklärt. Wie man ihn anzieht und auf was man achten muss, damit er richtig sitzt. Sie zeigte mir eine Welt voller schöner Modelle, auch für große Größen. Obendrauf noch heiße Bikinis und eine Auswahl (!!!) an passenden Sport-BHs. Es war ein bisschen wie im Paradies.

Sie zeigte mir eine Welt voller schöner Modelle, auch für große Größen. Es war ein bisschen wie im Paradies.

So ein passender BH packt die beiden Busenfreundinnen nicht nur richtig gut ein, sondern er macht auch eine schöne Form. Selbstsicherheit, Sexiness-Empfinden und positives Lebensgefühl restored. Und ich will dem Muskeltraining gar nichts absprechen, aber der richtige BH stellt dich auch wieder gerade hin. Ich dachte, ich muss mich schämen, dass ich erst so spät herausgefunden habe, wie das mit der Unterwäsche für Frauen funktioniert, aber anscheinend haben sich nur die Hälfte der Frauen mal messen lassen und wissen, welche Größe sie wirklich haben oder wie das zum Beispiel mit den Körbchengrößen läuft. Dass diese keine generelle Größe darstellen, sondern vom Umfang abhängig sind. Ein 80-C-Körbchen ist bei einer 75 nämlich schon eine D. It’s almost science!

Mittlerweile besitze ich eine Auswahl an perfekt passenden Unterwäsche-Sets, mehreren Bikinis und Sport-BHs. Es ist ein Traum und eine unfassbare Erleichterung im Alltag. Safety first habe ich Doppel Ds Youtube-Kanal abonniert und meine Einkäufe in der Kundenkartei abspeichern lassen. Somit bekomme ich immer den perfekten Schnitt, wenn‘s mal wieder was Neues sein soll. Im Nachhinein kann ich es fast schon überhaupt nicht mehr glauben, wie viele Jahre ich in meinem Leben damit verbracht habe, mich über meine Brüste zu ärgern. Wie lange ich versucht habe, sie zu verstecken oder ihnen missachtenden Blicke zugeworfen habe. Denn der schönste Busen ist doch der, den man liebt! #showmewhatyougot #hoorayforboobies 

WERBUNG: Auf Instagram verlosen wir übrigens einen 50-Euro-Gutschein für Doppel D. Kostenlose, professionelle Beratung, die besten BHs für große Größen und Tipps rund ums Dekolleté findest du in den Filialen in Berlin Mitte und Charlottenburg. Und damit wir auch mal wieder unsere Lingerie-Schublade aufstocken können, ist dieser Beitrag liebevoll von Doppel-D unterstützt. Unsere Brüste danken!

Headerfoto: Frau in Unterwäsche auf Sofa via Shutterstock.com. Danke dafür!

KARLIE APRIORI ist Singer/Songwriterin und Autorin. Bei einem Heartbreak empfiehlt sie: Sei traurig, nimm dir Zeit für dich, lass los, verlieb dich in dich selbst und dann verlieb dich neu. Die Themen „Selbstliebe“ und „Der Mut für die Reise zum Glück“ hat ihr das Leben aufgetischt und seitdem möchte sie der Welt davon erzählen.

1 Comment

  • Schöner Beitrag. Verstehe dich total. Was bei BHs für grosse Brüste auch noch dazukommt ist natürlich der Preis. Meine Freunde können sich alle BHs im H&M für 20 Euro kaufen und bei mir ist das oft schon das Dreifache. ^^‘

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