Kai | 28 | Berlin

„Auf der Suche, ohne genau zu wissen wonach, sind wir doch eigentlich alle!“

Das hier wird anders! Es wird laut, es wird krachen, es wird euphorisch und im nächsten Moment ganz sanft und leise, wie die Stille beim Lesen der letzten Seite eines guten Buchs, und vielleicht wird euch manchmal erstaunt der Mund offen stehen, weil ihr euch fragt: „Hat Kai das wirklich gesagt?“ Und wir sagen: „Ja, hat er!“

Loslassen

Etwas Besonders war schon der Ort unseres Kennenlernens, denn wir treffen Kai nicht in seiner Wohnung, sondern im herbstlichen Nebel auf dem Helmholtzplatz. Der Grund dafür? Kais rekordverdächtiger Wohnungswechsel! Nur mit zwei Koffern in der Hand ist der Gute vor sechs Monaten nach Berlin gekommen und hat seitdem seinen Haustürschlüssel engagierte acht Mal hergeben müssen →#Zwischenmiete →#notfunny. Sein restliches Hab und Gut steht immer noch sicher verpackt in Aachen und Kai hat schnell gemerkt, dass er das alles eigentlich gar nicht braucht. Wenn Kai die Augen schließt, erinnert er sich an gesammelte Figuren, groß gerahmte Bilder und Alte-Oma-Nippes. „Es war schon schön, aber es ist auch schön, dort nicht mehr wohnen zu müssen.“ Kai gefällt dieser Neuanfang, dieses Gefühl, alles auf sich zukommen zu lassen, und wir sagen ganz offiziell und mit ausgebreiteten Armen: „Herzlich Willkommen!“

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Im Raubtierkokon

Mit Aachen verbindet Kai viele Kindheitserinnerungen, denn er ist dort geboren, zur Schule gegangen und direkt im benachbarten Belgien aufgewachsen. Ihr müsst wissen, er gehörte zu den Kindern, denen man heute zum Frühstück eine Familienpackung Ritalin verabreichen würde. Immer auf der Suche nach dem Augenblick der ungeteilten Aufmerksamkeit, ist Kamikaze-Kai ungefragt vor jede Linse gehüpft, hat sich beim Tauziehen den Finger gebrochen und dabei Haut und Nagel abgezogen und die berühmt berüchtigte Raubtierkatzenbande gegründet. Eines schönen Tages ist Kai dann auf die „sympathische“ Idee gekommen, im Zimmer seiner Schwester ein Feuerchen zu machen und als die Flammen zu hoch wurden, hat er einfach die Zimmertür geschlossen und ist gegangen. What? Ist das dein Ernst? Ach, es brannte keiner? Das ist ja zauberschön, aber mein Feuerzeug bekommst du nicht mehr, Freundchen! Vielleicht hat Kai auch einfach ein richtungsweisender „Brandlöscher“ gefehlt. Bewusst war er zwar nie auf der Suche nach der Identifikation mit etwas Bestimmten, aber als Teenager hat Kai mit Nirvana eine Nische gefunden, in der er sich wohl gefühlt hat. Neue Freunde, politisches Interesse und die Theaterschauspielerei kamen hinzu. „Ich habe Rollen gespielt, die nicht auf einem Standpunkt geblieben sind, sich entwickelt haben. Getriebene, die sich aus dem Kokon befreien mussten.“ Eben Rollen, die genau jene Gefühle transportiert haben, die Kai zu dieser Zeit selbst so oft hatte!

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Und im Herzen? Musik!

Nach dem Abitur fühlte Kai sich schlicht und ergreifend orientierungslos. Frei nach dem Motto „Ich stochere im Dunkeln, aber wenigstens bewege ich mich“, hat Kai deshalb in einem „All you can eat“-Restaurant angefangen zu jobben. „Am besten konnte ich mich in die Küche schleichen und mir selbst etwas zu essen machen. Ich würde ja lügen, aber so war das halt!“ Nein, Kai schwindelt nicht. Er wusste eben nicht, wo es ihn hin verschlagen würde und auch der Abstecher ins Germanistik- und Philosophiestudium war nur ein ungeliebtes Alibi. Bis Kai sich an ein Praktikum in einer Buchhandlung erinnerte und daraufhin 2012 die Ausbildung zum Buchhändler begann. „Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, mich mit etwas identifizieren zu können, denn gelesen habe ich immer viel.“ Kai mag es, in die Gedankenwelten anderer einzutauchen und sagt, dass ihm Bücher viel beigebracht hätten. „Für mich können Bücher eine Persönlichkeit in ihrer Basis kräftigen, ich mag kunstvoll gestaltete Seiten und lese selbst am liebsten Debütanten. Diese sind meist frisch und unvoreingenommen und versuchen einfach das, was sie fasziniert, zu kanalisieren“. Kai genießt es, seine Kunden zu beraten, ihnen Bücher zu empfehlen und Autoren zu interviewen. Neben seiner Arbeit als Buchhändler schreibt Kai Buchrezensionen für das i-D-Magazin. Hier stellt Kai monatlich fünf unterschiedliche Bücher zu einem bestimmten Thema vor und begeistert uns mit versteckten Schätzen wie Der Schaum der Tage von Boris Vian.

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Akustische Auffrischung

Die Leidenschaft für das geschriebene Wort hatte Kai schon immer. „Zuerst taucht nur ein Wort auf, daraus entsteht eine Zeile und dann vielleicht ein Text oder ein Song. Musik ist auch immer eine Möglichkeit, seinen eigenen Schmerz zu kanalisieren.“ Ja, Kai produziert durchaus hörbaren Klang und hat sich jahrelang locker und flockig in verschiedenen Richtungen ausgetobt. Zur Zeit gehört er allerdings mehr zu den aktiven Zuhörern. Ihr braucht eine Band, die keiner kennt? Dann fragt doch mal den Kai! „Schreib einfach, ich höre melodiösen Schrammel–Shoegaze-Punk-Noise-Pop gepaart mit Singer/Songwriter-HipHop und Riot Grrrl.“ Fuck! Kai, was redest du da? Ich habe doch schon Probleme bei der rhythmischen Bedienung zweier Klanghölzer! Kai sieht das eben auch als Mittel, gute Musik zu verbreiten, und das ist ihm durchaus gelungen, denn mittlerweile läuft bei mir die Band Nothing rauf und runter. Und wem jetzt ebenso die Fragezeichen im Kopf herumtanzen, der sollte sich mit Songs von Nothing, DIIV, Sunflower Bean, Courtney Barnett oder Cherry Glazerr eine akustische Auffrischungskur gönnen.

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Die Kunst, beste Freunde und Liebende zu sein

Irgendwann musste ich Kai einfach fragen, ob er zwischen Rastlosigkeit und Findungsphase überhaupt Zeit und Raum für eine Beziehung hat. Vielleicht etwas provokant, aber Kai lächelt verständnisvoll und antwortet: „Klar bin ich gerade umtriebig, nehme mal diese und jene Ab- oder Auffahrt. Aber sollte ich dabei an einem Ort vorbeikommen, den ich so schön finde, dass ich beschließe, dort zu bleiben, glaube ich, dass sich die Rastlosigkeit auch schnell legt.“ Kai genießt auch das Gefühl anzukommen und Sicherheit zu spüren. In einer Beziehung möchte der 28-Jährige seine Partnerin beschützen ohne sie einzuschränken und gleichzeitig möchte auch er beschützt werden. Dass Kai nicht in klassischen Rollenbildern denkt und lebt, merkt man spätestens dann, wenn man ihn auf seine verzierte Haut anspricht. „Die Tattoos sind wie ein Poesiealbum für mich.“ Auf dem linken Arm sieht man ein Seepferdchen, Kais derzeitiges Lieblingskunstwerk. Und warum ist das so? Aufgepasst, ihr pfiffigen Fischpferdchenforscher: Seepferdchen sind kulturell und echte Vorbilder, denn die Männchen sind Tatsache so mutig und übernehmen die Strapazen der Schwangerschaft. „Das ist mein kleines Statement zur Genderdebatte! Ich wünsche mir jedenfalls, dass die Männer mehr verstehen würden, was es als Frau bedeutet, schwanger zu sein. Das Gefühl, dass im eigenen Bauch ein Kind heranwächst, muss so ziemlich das krasseste sein, was es gibt.“ Ach, Kai! Gibt es dort, wo du herkommst, noch mehr von dir?

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Achtung Achtsamkeit

Mädels, dieser Mann ist nicht nur einfühlsam, sondern auch ein guter Gesprächspartner und unheimlich harmoniebedürftig. Hier und da muss Kai aufpassen, sein Gegenüber nicht mit seiner Hilfsbereitschaft zu überfordern, denn oftmals möchte Kai allen gerecht werden und jedem ein guter Freund sein. Früher hat er deshalb eher dazu geneigt, die Dinge zu relativieren. Heute diskutiert Kai auch gerne mal. Er genießt es, sich am Wochenende mit seinen Freunden treiben zu lassen, gemeinsam zu frühstücken, sich fallen zu lassen, in dem Gefühl, man selbst sein zu können und dabei sinnfreie Witze zu machen. „Schlussendlich ruft immer irgendwer an und fragt wer die Sternis mitbringt.“ Ihr merkt, Kai hat gerne Menschen um sich herum und versucht nach der Maxime zu handeln, immer unvoreingenommen auf neue Leute zuzugehen. „Man muss sich seinen Vorurteilen ja nicht kampflos hingeben“, meint Kai und ich denke mir nur so: Offen, reflektiert, einfühlsam, aufmerksam, witzig, clever … Traumtypenmerkmale? Endlosschleife!

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Es ist Zeit, dass Kai bleibt!

„Die letzten fünf Seiten lese ich nicht in der U- Bahn, sondern ich hole mir eine Flasche Wein und zelebriere es.“ Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl, diese innere Zerrissenheit, ein gutes Buch nicht aus der Hand legen zu wollen. Die letzten Seiten sind etwas Besonderes, Kostbares. Man möchte das finale Kapitel noch nicht zuschlagen. So oder so ähnlich fühlen wir uns, als es Zeit wird, sich zu verabschieden, denn der Vormittag mit Kai ist einfach viel zu schnell vergangen. Kai, glaube uns, es lohnt sich, die Flasche Wein rauszuholen, im Sofa zu versinken und deine Drei-???-Büchersammlung auszupacken, einfach anzukommen und Berlin in dein Poesiealbum einzustechen.

Es ist Zeit, dass Kai bleibt! Wir würden uns jedenfalls sehr freuen und die Mädels hier auch, nicht wahr?

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